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Indoktrination

Vielleicht wissen einige bereits aus dem anderen Blog (Europäische Werte), dass ich z. Z. keinen Internetzugang habe und mich deswegen so rar gemacht habe.

Nur ab und zu melde ich mich, wenn ich über Zustände sprechen muss, die mich so empören, dass ich sie nicht verschweigen kann. So ist mir neulich was aufgefallen, als ich in der Bibliothek der Stadt Stuttgart nach Geschichtsbücher über Osteuropa gesucht habe. Ich wollte so auf der Schnelle mir einen eindruck über die Schlacht von Amselfeld lesen, nachdem ich gerade über die Schlacht von Mohacs und 1683 die Belagerung von Wien angekuckt habe. Ihr müßt wissen, dass es eine recht große Bibliothek ist. Ich habe sehr schnell die Geschichte Ex-Jugoslawiens gefrunden und da waren gar eine ganze Reihe von Bücher, mindestens um die 20-30. Aber alle nur zu der derzeitigen Lage, zu dem Bosnienkrieg, zum Kosovo und diese ganze Belange der Moslems, wo die Welt und die EU einhellig ide armen Moslems beweinen soll. Nur ein einziger Band war zu sehen, mit dem Titlel Slowenien, wo ich sicher war, dass es zwar nichts zu dem jahrhundertellangen Wüten der Türken sagt, aber dafür ist die Lage der jugosllawischen Moslems auch kein Zentralthema.

Mir kam das Kotzen und ich mußte gleich an meinem Eindruck denken, damals, als ich nach Deutschlaand kam. Damals kam mir so vor, dass die gesamte Deutsche Geschichte willentlich nur auf die Nazizeit und auf die Weltkriege reduziert wird, alles andere zählt nix. So ist es mit Ex-Jugoslawien. Ich bin mir fast sicher, dass dasselbe in den Großen Buchhandlungen, an den Unis, in den Schulen und überall zutrifft.

Das nenne ich eine hundertprozentige gutmenschliche Indoktirnationstaktik, die bald den Kommunisten würdig ist.

9.8.07 13:45


Von ihm könnten die Gutmenschenideologen noch rechtzeitig lernen

Durch den Brüssels Journal bin ich auf diesen Interview im Spiegel aufmersam geworden:

Besuch beim Solschenizyn

"Mit dem Blut von Millionen geschrieben"

Dem Brüsseler Blogger war dieses Ausschnitt am bedeutendsten:

(Da die deutsche und die englische Variante sich stark unterscheiden, gebe ich hier die englischen Ausschnitte):

Isn't it a luxury for the West to be pushing Russia aside now, especially in the face of new threats? In my last Western interview before I returned to Russia (for Forbes magazine in April 1994) I said: "If we look far into the future, one can see a time in the 21st century when both Europe and the USA will be in dire need of Russia as an ally."

Ist es nicht ein Luxus für den Westen, Rußland beiseite zu schieben, gerade jetzt vor der neuen Bedrohung? In meinem letzten Interview im Abendland (Forbes 1994) sagte ich: "Wenn wir in die Zukunft blicken, sehen wir eine Zeit im 21. Jh., wenn sowohl Europa wie auch die USA Russland als einen Verbündeten brauchen werden.

Nun, ich empfehle für Englischkenner den gesamten Interview, denn meiner Meinung nach sagt er noch viel mehr Bemerkenswertes! Bei mir entsteht der Eindruck, dass ein junger, frischer Geist, der seine Welt mit offenen, kritischen Augen betrachtet, einem altersstarren Journalisten, der sich seine Ansichten einmal vor 40 Jahren zurechtgelegt und seitdem nicht mehr überprüft hat, sehr genau antwortet. Es ist in etwa dasselbe Effekt, wie neulich bei Ralph Giordano, der sich auch nicht davon irritieren ließ, dass ein paar Gutmenschen, die ihre Lektion einst auswendig gelernt hatten, nur um ja nicht eine eigene Meinung formulieren zu müssen, ihm bereits in ein Lager eingeteilt hatten, in dem er mit seiner kritischen Denkweise nicht hineinpasst.

Hier ist so ein Punkt:

SPIEGEL: The current Russian president says the collapse of the Soviet Union was the largest geopolitical disaster of the 20th century. He says it is high time to stop this masochistic brooding over the past, especially since there are attempts "from outside," as he puts it, to provoke an unjustified remorse among Russians. Does this not just help those who want people to forget everything that took place during the county's Soviet past?

Der derzeitige Präsident sagt, dass ... es ist höchste Zeit, das Masochistische Brüten über die Vergangenheit zu beenden, vor allem weil man von Außen hin versucht, ungerechtfertigte Gewissensbisse unter den Rußen zu erwecken.

Solzhenitsyn: Well, there is growing concern all over the world as to how the United States will handle its new role as the world's only superpower, which it became as a result of geopolitical changes. As for "brooding over the past," alas, that conflation of "Soviet" and "Russian," against which I spoke so often in the 1970s, has not passed away either in the West, or in the ex-socialist countries, or in the former Soviet republics. The elder political generation in communist countries was not ready for repentance, while the new generation is only too happy to voice grievances and level accusations, with present-day Moscow a convenient target. They behave as if they heroically liberated themselves and lead a new life now, while Moscow has remained communist. Nevertheless, I dare hope that this unhealthy phase will soon be over, that all the peoples who have lived through communism will understand that communism is to blame for the bitter pages of their history.

...Dennoch hoffe ich, dass diese ungesunde Phase bald vorüber ist, dass alle Völker, die im Kommunismus gelebt haben, begreifen werden, dass der Kommunismus schuld an die bittere Seiten ihn ihrer Geschichte war.

SPIEGEL: Including the Russians.

Zu denen auch die russische Kommunisten zählen

Solzhenitsyn: If we could all take a sober look at our history, then we would no longer see this nostalgic attitude to the Soviet past that predominates now among the less affected part of our society. Nor would the Eastern European countries and former USSR republics feel the need to see in historical Russia the source of their misfortunes. One should not ascribe the evil deeds of individual leaders or political regimes to an innate fault of the Russian people and their country. One should not attribute this to the "sick psychology" of the Russians, as is often done in the West. All these regimes in Russia could only survive by imposing a bloody terror. We should clearly understand that only the voluntary and conscientious acceptance by a people of its guilt can ensure the healing of a nation. Unremitting reproaches from outside, on the other hand, are counterproductive.

Man sollte nicht die Taten einzelner Führer oder politischen Regimes dem ganzen Russischen Volk zuschreiben. Man sollte es nicht "der kranken Psychologie" des russischen Volkes zuschreiben, wie der Westen das oft tut. All diese Regimes in Russland konnten nur überleben durch einem blutigen Terror. Wir sollten klar verstehen, dass nur die freiwillige und bewußte Hinname des Schuldgefühls ein Volk heilen kann. Unaufhörliche Vorwürfe von Draußen sind aber kontraproduktiv.

Oder auch dieser Punkt hier:

SPIEGEL: The idea of the influence of Orthodox Christianity on the Russian world can be traced throughout your works. What is the moral qualification of the Russian church? We think it is turning into a state church today, just like it was centuries ago -- an institution that in practice legitimizes the head of Kremlin as the representative of God.

Die Idee der Einflußnahme auf die Russische Welt durch die Orthodoxe Christenheit ist in Ihrer gesamten literarischen Arbeit erkennbar. Was ist die moralische Qualifikation der orthodoxen Kirche? (Ist hier nicht mehr als deutlich, wie man versucht, ihn mit der Frage in die typische Gutmenschenecke zu drängen, die typische Spiegel-Gutmenschideologie zu fördern?) Wir glauben, dass sie gerade dabei ist, sich in eine Staatsreligion zu verwandeln, gerade wie vor Jahrhunderten. (Ob der Fragesteller auch dann noch so grimmig wäre, wenn der Islam auch gerade dabei wäre, in manchen russischen Teilrepubliken mit zur Staatsreligion zu werden?)

Solzhenitsyn: On the contrary, we should be surprised that our church has gained a somewhat independent position during the very few years since it was freed from total subjugation to the communist government. Do not forget what a horrible human toll the Russian Orthodox Church suffered throughout almost the entire 20th century. The Church is just rising from its knees. Our young post-Soviet state is just learning to respect the Church as an independent institution. The "Social Doctrine" of the Russian Orthodox Church, for example, goes much further than do government programs. Recently Metropolitan Kirill, a prominent expounder of the Church's position, has made repeated calls for reforming the taxation system. His views are quite different from those of government, yet he airs them in public, on national television. As for "legitimizing the head of Kremlin," do you mean the funeral service for Yeltsin in the main cathedral and the decision not to hold a civil funeral ceremony?

Im Gegenteil, wir sollten überrascht sein, dass unsere Kirche in den paar Jahren seit der Wende eine gewisse Unabhängigkeit erlangt hat. Vergessen Sie nicht, was für einen blutigen Zoll die Orthodoxe Kirche im gesamten 20. Jahrhundert an den Kommunismus gezahlt hat. Der postsovjetische Staat ist gerade erst dabei, Respekt gegenüber der Religion wieder zu erlernen. Die Kirche vertritt ganz andere Ansichten als der Kreml - Meinten sie mit der "Legitimierung der Köpfe in Kreml" das Begräbnis für Yeltzin?

Der gesamte Interview ist lesenswert!

10.8.07 14:39


Österreichs Rechtsliberale ohne Verständnis für Russophobie der Sozialisten



Bild

SPÖ-Funktionär Hannes Swoboda, wo er geschätzt wird: im albanisierten, von Serben "befreiten" Amselfeld  

Die österreichische Sozialdemokratie, die Europens "politische Kultur" einst um das Diktum: "Serbien muß sterbien!", "bereicherte", scheint in Hannes Swoboda, dem Propagandisten einer türkischen EU-Vollmitgliedschaft im Interesse eines "europäisch"-türkischen Schulterschlusses in der Schwarzmeer-Region - gegen welchen "Unsicherheitsfaktor" wird diese strategische Zusammenarbeit wohl zuvörderst gerichtet sein? -, einen würdigen Repräsentanten zu haben:   

"Der Vorschlag des sozialistischen EU-Abgeordneten Hannes Swoboda, die EU solle gemeinsam mit der Türkei einen Schwarzmeer-Block bilden, da nur mit der Türkei eine europäische Energieversorgung sichergestellt werden könne, stößt beim freiheitlichen EU-Abgeordneten Andreas Mölzer auf Unverständnis. Mölzer zum freiheitlichen Pressedienst: 'Ohne Russland wird Europa niemals energieautonom sein - ein Schwarzmeer-Block mit der Türkei würde also genau das Gegenteil hervorrufen, da man mit so einem Bündnis die Russen vor den Kopf stoßen würde!'

[...]"

http://www.fpoe.at/index.php?id=477&backPID=390&tt_news=14932

12.8.07 21:10


Im Namen des Vaters

Das ist die Fratze des Islam, wie er heute in Beirut aussieht und wie es in 40 Jahren hier bei uns aussehen wird. Vor 40 Jahren hätten die Christen aus Beirut auch nicht gedacht. Aber lesen Sie selber:

 

12. August 2007, NZZ am Sonntag

Im Namen des Vaters

Mit 23 erbte Nayla Tuéni den liberalsten Zeitungsverlag der arabischen Welt, weil ihr Vater Opfer eines Attentats wurde. Nun kämpft die Libanesin an seiner Stelle gegen den Fundamentalismus. Auf einer Todesliste steht auch sie. Von Christoph Zürcher

 Gebran Tuénis Adresse ist seit eineinhalb Jahren ein Familiengrab auf dem griechisch-orthodoxen Friedhof in Ostbeirut. Doch er bekommt noch jeden Morgen die neueste Zeitung.

Zweimal zusammengefaltet legt sie seine Tochter Nayla jeden Tag um neun links auf den Stapel auf dem Pult in seinem ehemaligen Büro. Und einmal pro Woche stellt Nayla frische Rosen in die hohe Vase. Eine rote und eine weisse. Dieselben Farben wie die Fahne hat, die den Stuhl hinter dem Pult bedeckt. Es sind die Farben der libanesischen Unabhängigkeitsbewegung, deren Führer Gebran Tuéni war.

Abgesehen davon ist auf dem Pult noch immer alles so wie an dem Tag, als Tuéni es das letzte Mal verlassen hat. Ein paar seiner Lieblingsbonbons liegen da. Ein silberner Brieföffner in der Form eines Hahns. Der Hahn ist das Symbol der Zeitung «An-Nahar», was «Der Morgen» heißt, der Zeitung, die Gebran Tuéni als Verleger und Chefredaktor geleitet hat. Weiter liegen da ein Brief, der noch darauf wartet, geöffnet zu werden, und ein Notizzettel, auf dem in einer ruhigen Schrift in schwarzer Tinte ein Satz auf Französisch steht. Das letzte Wort ist «silvestre». Alles so, als würde Tuéni jeden Moment zur Tür hereinspazieren, um seine Arbeit fortzuführen.

Die Zeit zum Sterben ist für Gebran Tuéni offenbar noch nicht gekommen. «Er ist nicht tot», sagt Nayla Tuéni. Es ist ein sonniger Dienstagmorgen in Beirut. Das Mittelmeer vor den Fenstern leuchtet blau wie ein Ferientag. Die Frauen haben Sommerkleider an. Man könnte für einen kurzen Moment fast der Illusion verfallen, Beirut sei wieder das Nizza des Ostens, das es einmal war, wären da nicht die fast leeren Strassen.

Wie jeden Tag hat sich Nayla den Button mit der Foto des Vaters an die Brust geheftet. Sie sitzt auf dem Sofa gegenüber seinem Pult. «Tot ist mein Vater erst, wenn sein Traum von niemandem mehr geträumt wird. Der Traum eines friedlichen Zusammenlebens von Christen und Muslimen. Es ist jetzt meine Aufgabe, diesen Traum am Leben zu erhalten.» In einer Ecke des Büros ihres Vaters hat sich Nayla ihr eigenes Pult aufstellen lassen. Es steht so, dass sie ihren Vater immer im Blickfeld hat.

Nayla Tuéni wird diesen Herbst 25. Kürzlich ist sie in den Verwaltungsrat von «An-Nahar» aufgestiegen. Über kurz oder lang wird sie die Chefredaktion übernehmen. Zurzeit ist sie für die vielbeachtete wöchentliche Beilage verantwortlich. Spricht sie von ihrem Vater, wird ihre Stimme hart wie Glas, ihr Gesichtsausdruck sinkt auf null. Der amerikanische Journalist Thomas Friedmann hat geschrieben: «Wer in Beirut überleben will, der legt sich sehr schnell eine schusssichere Weste zu, schusssicher nicht nur gegen Kugeln und Granatsplitter, sondern auch gegen zu viel Gefühle.»

Das Erbe von Gebran Tuéni anzutreten, ist nicht gerade eine kleine Angelegenheit. Einerseits sind die Tuénis, obwohl der christlichen Minderheit angehörend, eine der bedeutendsten Familien der Levante. Nalyas Urgrossvater war vor dem Ersten Weltkrieg die Stimme der libanesischen Exilanten in Kairo. Naylas Grossmutter Nadia ist die bis heute bekannteste Dichterin des Landes. Und ihr Grossvater war während des Bürgerkriegs Botschafter Libanons bei der Uno und erhielt vor zwei Jahren von Dominique de Villepin den Orden der Ehrenlegion.

«An-Nahar» anderseits ist in der arabischen Welt eine liberale Institution. Die Zeitung wurde 1933 von Naylas Urgrossvater gegründet und ist keines der Blätter, in denen Männer mit Bärten gegen Israel und den Westen hetzen und schärfere Schleier-Vorschriften für die Frauen fordern.

Bei «An-Nahar» gibt es Fotostrecken mit Frauen im Bikini. Es gibt Reportagen über Heiraten zwischen Christen und Muslimen. Und in einer der letzten Ausgaben gab es einen Artikel über die Lieblingsmusik von Paaren für erotische Stunden. Auf dem ersten Platz landete Marvin Gay mit «Sexual healing», knapp vor Barry White.

Unerschrockene Haltung (weiterlesen)

13.8.07 21:26


Völkermordleugnung und Gas aus dem Iran

Unter RWE will iranisches Gas aus Türkei-Projekt beziehen erfahren wir heute, daß das Erdgas, mit dem wir in unseren Haushalten heizen und kochen, demnächst womöglich aus dem Iran kommen wird.

Ist das nicht seltsam? Vor der Abhängigkeit von russischen Energieträgern hat man in Europa mehr und mehr Angst, weil Russland Politik damit machen könnte. Hat man keine Angst davor, sich vom Iran abhängig zu machen, dessen Verfassung von einer Koranexegese nicht zu unterschieden ist und der zudem immer wieder erklärt, daß Israel vernichtet werden müsse?

Völlig unverständlich auch, daß RWE sich nicht zu schade ist, hierbei die erpresserische Politik der Türkei gegenüber Frankreich wegen seiner klaren Positionierung gegenüber dem Völkermord an den Armeniern zu goutieren. Geht das zusammen mit dem Verhaltenskodex von RWE, in dem man sich damit brüstet, daß man sich an Menschenrechtsverletzungen nicht beteiligt?

Am gleichen Tag lesen wir dann noch, daß türkische Polizisten Christen auf Zypern angegriffen haben, weil sie in das Kloster des Heiligen Barnabas von Famagusta gehen wollten. Davon, daß in Russland Christen verfolgt werden, hat man demgegenüber lange nichts mehr gehört.

Wie soll man das verstehen? Was spräche denn dagegen, sich einfach auf russisches Erdgas zu verlassen und ansonsten dem EU-Mitglied Zypern dabei zu helfen, das vor seiner Küste vermutete Erdöl zu gewinnen?

 

 

 

 

 

 

13.8.07 23:25


Vom nationalen Dünkel

Vom nationalen Dünkel

Aus dem Tagebuch eines Patrioten
 
Jahr 1924
 
Iwan Iljin, Zollikon 1945

Aus dem Essayband "Blick in die Ferne"

Daß der Mensch sein Vaterland liebt und seinem Volke die Treue hält, ist natürlich, würdig und gut. Wie dürfte es anders sein? Wie könnte es anders werden? Er gleicht dem Baum, der seine Erdscholle mit allen Wurzeln umklammert, aus ihr seine Nahrung holt und sie nur dann verläßt, wenn ihm die Wurzeln abgehauen werden. Er gleicht dem Sohn, der sein Bestes von seiner Mutter erhalten hat - Leben, Gesundheit und die Kraft seines Geistes - und also die Substanz seiner Mutter in sich trägt. Zwischen dem Patrioten und seinem Vaterland besteht eine geheimnisvolle geistige Identität, so daß der Patriot sein "Land" in sich trägt und das "Land" im Patrioten sein schaffendes Organ behauptet.

Jeder wahre Patriot spricht stillschweigend zu seinem Volke: "Ich bin dein. Ich bin aus deinem Schoße fleischlich und geistig enstanden. Es flammt in mir derselbe Geist, der in meinen Ahnen glühte. Mich führt dein Selbsterhaltungstrieb, derselbe, der dich durch alle Schwierigkeiten und Nöte deiner Geschichte leitete. Der Seufzer in meiner Brust ist dein Seufzer; und stöhntest du, so stöhnt es auch in meiner Brust. Durch deine Kraft bin ich selbst stark und darum dient meine Stärke deiner Sache. Ich bin mit dir zu einem Wir verbunden. Ich glaube an deine Macht und an deine schöpferischen Wege. Deine Sprache ist meine Sprache; und wenn ich schaffe, so schaffe ich nach deiner Art und Weise. Ich lebe mit dir; ich schaue und denke wie du; ich wäre so froh, alle deine Gaben und Fähigkeiten zu besitzen; und es ist nur mit verborgenem Schmerz, daß ich an deine Schwächen und Unvollkommenheiten denke. Dein Staatsinteresse ist das meinige. Ich bin stolz, mich an deinem Ruhm beteiligen zu dürfen; aber nagender Kummer spannt mir das Herz, wenn ein Unglück über dich kommt oder du darniederliegst. Deine Freunde sind meine Freunde; und deine Feinde sind die meinigen. Dir gehört mein Leben und mir gehören deine Lande. Deine treue Armee ist meine Armee und wer sich an deiner Ehre vergreift, entehrt mich selber. Ich habe dich nicht auserkoren; du hast mich in deinem Schoße ausgetragen, geschützt und erzogen; aber von dir geboren und beschenkt, habe ich dich in Dank und Demut anerkannt, und treu und frei in mein Herz eingeschlossen. So sind wir eines geworden; so sind wir lebendige Identität" ...

Wenn das Herz des Patrioten zu seinem Volke in dieser Weise wortlos redet, so hat es recht und stellt eine der bedeutendsten und schöpferisch fruchtbarsten Beziehungen des irdischen Lebens her. Und wenn der Patriot so redet und handelt, so wäre es ungerecht, ihm einen nationalen Dünkel vorzuwerfen. Denn der Dünkel ist nicht Liebe und treue Gemeinschaft, sondern Überheblichkeit; und ein Patriot braucht durchaus nicht überheblich zu sein. Der Dünkel kommt aus einer Blendung und schafft eine Illusion. Der wahre Patriotismus ist aber durchaus keine Blendung und hütet sich wohl vor irgendwelchen Illusionen: im Gegenteil, er ist berufen, realistisch zu schauen, zu werten und zu handeln. Wer realistisch schaut, der sieht die Sachen so, wie sie sind: er sieht sein eigenes Volk in seiner Stärke und in seiner Schwäche; und er sieht auch die anderen Völker in ihren Fehlern und ihren Errungenschaften. Was jeder Patriot haben muß, ist: Flamme im Herzen und nüchterner Blick, Gott behüte ihn vor Überheblichkeit und nationalem Größenwahn. Denn mit der naiven Überheblichkeit beginnt der nationale Dünkel; und im politischen Größenwahn findet er seinen katastrophalen Höhepunkt.

Liebe ich mein Volk, so will ich es richtig kennen: seinen geschichtlichen Werdegang und seine Gefahren, die Eigenart seines Characters, seine territoriale, politische und wirtschaftliche Problematik, die Struktur seines geistigen Aktes, alles - seine nationalen Tugenden und seine Laster, seine Errungenschaften und seinen Rückstand, alles, was ihm eignet, was es angeht, was ihm fehlt. Ich suche es richtig zu erkennen und gerecht zu schätzen: nichts zu verkennen, nichts zu überschätzen und nichts zu unterschätzen. Das Gute ist gut; es muß wachsen und gedeihen. Das Schlechte ist schlecht; es muß durch neue Volkserziehung überwunden werden. Habe ich mein Volk erkannt, so werde ich ihm nichts verheimlichen: ich werde das Gute rechtfertigen, damit man weiß, was zu pflegen ist; ich werde aber das Schlechte nicht verschweigen, sondern es feststellen, zeigen und schildern, seinen Gründen und Quellen nachgehen, eine Besinnung im Volk hervorzurufen suchen, eine Läuterung anspinnen, eine Überwindung anbahnen.

Die Liebe darf nicht blind sein; im Gegenteil, sie muß das Auge des Liebenden klar und weitsichtig machen. Das geliebte Volk darf nicht in naiver Weise idealisiert werden. Das braucht es auch nicht. Der wahre Dienst am Volk besteht nicht in demagogischer Verherrlichung, in Schmeichelei und nationaler Überheblichkeit, sondern vielmehr in nüchterner, sachlicher Beurteilung und im klaren Nachweis der Fehler und Mängel. Hier liegt historisch der Unterschied zwischen nationaler Demagogie und nationalem Prophetentum: der Demagoge ist Brunnenvergifter und der Prophet ist Erzieher. Die Erziehung führt aber nicht zum blinden Dünkel, sondern in der Richtung der Bescheidenheit, der Besinnung und der Demut.

Somit beginnt der nationale Dünkel da, wo das Volk im primitiven Selbstbewußtsein stecken bleibt und wo auch seine Propheten, Ideologen und Erzieher dieses primitive Selbstbewußtsein nicht zu überwinden verstehen.

Das primitive Selbstbewußsein besteht darin, daß der Mensch durch seine Selbstwahrnehmung gefesselt wird und es nicht weiter bringt. Das, was er in sich selbst und als zu sich gehörend wahrnimmt, scheint ihm dermaßen wichtig und vollendet zu sein, daß er über diese Grenzen hinaus nicht mehr will. Das Eigene nimmt seine Aufmerksamkeit und Liebe in Anspruch. Sein Ich wird ihm zum lebendigen und einzigen Zentrum seiner Lust, seines Wollens, seiner Mühe und Freude; an der eigenen Realität zweifelt er nicht, das Übrige wird ihm mindestens problematisch und unwichtig. Es geht ihm etwa so, wie bei Andersen der alten Ente und der alten Katze, die hinter dem warmen Ofen kauerten und sich selbst für die halbe Welt und zwar für die beste Hälfte der Welt hielten. Darus entsteht im Alltagsleben ein lästiger Egoismus; der Psychopathologe hätte hier von "Autismus" und "Autoerotismus" gesprochen; der Philosoph hätte die Begriffe "Egozentrismus" und "Solipsismus" zur Anwendung gebracht; im sozialen Leben entsteht daraus eine engherzige Klassenpolitik, und im Völkerleben - nationaler Dünkel.

Der Mensch mit primitivem Selbstbewußtsein empfindet wohl die "eigene Haut", versteht aber aus der eigenen Haut in die fremde nicht zu fahren. Zuweilen ahnt er auch nicht, daß es überhaupt möglich ist und wie man es beginnt. Er ist naiv in seinem Egozentrismus. Sein "Ego" ist ihm alles; seine Welt, sein Hort, sein Ziel, sein Stolz. Einfühlung in andere Menschen und Völker übt er nicht; wozu täte er das auch? Darum weiß er auch so wenig von Nachempfinden, von Mitleid, von Takt und schließlich auch von Rücksicht. Er ist die Hauptursache im Leben und in der Welt; das Übrige ist unwichtig. Das Übrige bildet nur das Mileu, in dem er glänzt. Das war nämlich die grundlegende Idee von Max Stirner, diesem unnaivem Apologeten des amoralisch-praktischen Solipsismus, als er den "Einzigen und sein Eigentum" predigte; und wenn man sein Buch aufmerksam zu Ende gelesen hat, so staunt man über den vollständigen Mangel an Selbst-Humor (humor sui), den das Buch aufzeigt.

Etwa so geht es auch dem Volk mit primitivem Sebstbewußtsein: es verfällt dem nationalen Dünkel, in dem zugleich Naivität und Anmaßung zum Vorschein kommen. Der nationale Dünkel entsteht aus dem Gefesseltsein durh das Eigene. Einmal entstanden, schöpft er seine Kraft aus zwei gesunden, aber bei Rücksichtslosigkeit gefährlichen Trieben: aus dem Selbsterhaltungstrieb und dem Geltungstrieb. Der Selbsterhaltungtrieb gibt dem nationalen Dünkel den Schwung und dem Stoff seiner Anmaßung; der Geltungstrieb entstellt seine Wert-Urteile und treibt ihn in die Überheblichkeit. Daraus erwächst eine gewaltige Selbstüberschätzung und eine Unterschätzung anderer Völker. Die anderen Völker scheinen dem Dünkelhaften wenig wert zu sein: entweder sind sie eine Wiederholung seiner, dann sind sie überflüssig und brauchen nicht selbständig zu bleiben; oder aber sind sie Völker niedrigeren Ranges, dann dürfen sie dem erstrangigen Volk nicht im Wege stehen. Jedenfalls ist seine Einfühlung in das Leben und Schaffen des Anderen nicht angebracht, nicht zu empfehlen, denn sie wäre so viel, wie "Verrat" an dem eigenen. Die anderen Völker sind nicht mehr als Forschungsobjekt und zwar für den Fall der heranreifenden Unfreundlichkeiten; sie sind jedoch durchaus keine lebensberechtigten und selbständigen Subjekte, die zum freien Umgang geschaffen sind. Daraus entsteht eine eigenartige Unkenntnis der anderen Völker, eine Verständnislosigkeit, eine Anhäufung von Illusionen und von diplomatischen Fehlern, was wiederum den nationalen Dünkel stärkt und steigert.

Auf diese Weise wird alles überheblich und anmaßend: die Liebe zum Vaterland, der Stolz auf die großen Schöpfer der nationalen Kultur, die Wertung der eigenen Volkskraft, die Beziehung zu den umgebenden Völkern. Wenn aber auch die Erzieher und Propheten des Volkes von diesem Dünkel ergriffen werden, dann kann die Überschätzung zu einem richtigen Größenwahn auswachsen; und es fehlt dem Volk und seinen Erziehern an mäßigendem und läuternden Selbst-Humor, so rollt der Karren des Dünkels unaufhaltsam einer Katastrophe entgegen. Dann bildet sich die traurige Lehre vom historischen Hauptvolk und seiner Weltmission. Und vor diesem Hauptvolk stehen die übrigen Völker als eine Reihe von lästigen Hindernissen oder von geschichtlichen Mißverständnissen da ... -

In Wirklichkeit aber ist die Menschenwelt mit einem Garten Gottes zu vergleichen. Wohl weiß der ewige Gärtner, welche Blumen, wann und wo er gepflanzt hat und in der Zukunft noch pflanzen wird. Seine hohen Pläne hält er aber geheim und gestattet uns keinen Einblick in seine Absichten. Und jedes Volk, als Blume Gottes, hat Sorge zu tragen, daß seine Blüte am besten ausfalle und seine Gärtner mit schönstem Duft preise. Aber keine Blume hat irgend einen Grund, sich für die Hauptblume des göttlichen Gartens zu halten und die anderen Blumen zu verachten und zu überwuchern.

Es ist uns vorenthalten zu wissen, ob es wirklich in diesem Welt-Eden Hauptblumen zum Wuchern und wertlose Blümchen für den Misthaufen der Geschichte gibt. Sicher ist jedoch, daß eine wirkliche Hauptblume Gottes dem Dünkel nicht verfallen wird und daß eine überhebliche Blume kein Wohlgefallen finden kann.
14.8.07 01:35


Orthodox vs. Orthodox

 

Unter Kommunistenführer bereut Kirchenverfolgung lesen wir heute, daß der russische KP-Chef Gennadi Sjuganow die von seiner Partei begangene Christenverfolgung in der Sowjetzeit nachträglich als einen "schweren Fehler" bezeichnet. Wer hätte das gedacht?

 

Sowjetstern

Bedeutet das, daß man demnächst auch darauf hoffen darf, daß die russische KP Lenin auf den Müllhaufen der Geschichte befördert? War es doch Lenin, der auf Grundsätzen wie

"Jede religiöse Idee, jede Idee von irgendeinem Gott, ja sogar jedes Kokettieren mit solchen Gedanken ist eine unaussprechliche Gemeinheit, die niederträchtigste Infektion"
Lenin, „Mysli Lenina o religii", russ. Sowjetausgabe
Der Ton in russischer Sprache ist höhnisch.

ein Schreckensregime errichtete, in dem es zum guten Ton gehörte, Gottes Herrschaft zu leugnen. Konsequent wäre eine Entsorgung Lenins also allemal. Nur würde das freilich bedeuten, daß die KP praktisch ihre ganze Geschichte, die sie als Erbe mit sich herumschleppt, aufarbeiten müßte und das beträfe dann ja nicht nur die KP, sondern indirekt ja auch den russischen Staat von heute.

Auffallend ist, daß nicht nur in der russischen KP eine Zeitenwende zu beobachten ist. Auf Drängen Putins hin fand die Trennung der beiden Orthodoxen Kirchen Russlands im April diesen Jahres nach 80 Jahren ihr Ende! Auslöser für die Trennung waren unüberbrückbare Unterschiede zwischen den in Russland und den im Exil lebenden russisch-orthodoxen Christen bei der Einordnung des Sowjetstaates:

 

Als sich nun in Rußland der antireligiöse Terror der kommunistischen Regierung steigerte und immer mehr Geistliche in Bedrängnis gerieten, vor allem aber Patriarch Tichon Loyalitätserklärungen gegenüber dem Sowjetstaat abgeben mußte, argumentierte die inzwischen unter Leitung von Metropolit Antonij (Chrapovickij) gebildete Synode der Auslandsbischöfe, die auf Einladung der Serbischen Orthodoxen Kirche in Sremski Karlovci [Karlowatz in Syrmien] in Nordserbien eine Heimat gefunden hatte, daß eine reguläre kirchliche Gewalt in Rußland nicht existiere, die so frei handeln könne, daß man ihr Gehorsam schulde. Ihrerseits legten sich die Auslandsbischöfe in politischen Fragen eindeutig auf die monarchistische Linie fest und forderten auf einem Konzil in Sremski Karlovci 1922 die Wiederherstellung des russischen Kaisertums unter dem Großfürsten Kirill Vladimirovic als Zar Kirill I.

Quelle: Geschichte der Russ. Orthodoxen Kirche in Dtl.


allein hieran zeigt sich schon, wie schwer das Joch der Sowjetherrschaft war. Doch die Tiefe der Spaltung versteht man erst, wenn man dieses hier liest


Zum endgültigen Bruch kam es 1927, als das neue Moskauer Kirchenoberhaupt Sergi zur Kooperation mit den Kommunisten aufrief. Danach brach die orthodoxe Führung im Ausland den Kontakt nach Moskau ab. Bis heute stößt die Botschaft Sergis bei einem Teil der Auslandskirche auf heftigen Unwillen. „Sünde bleibt Sünde“ empörte sich Bischof Gawriil von Manhattan über die Rechtfertigungsversuche des Patriarchats, nur auf diese Weise sei das Überleben der Kirche im Sowjetreich überhaupt möglich gewesen.

Dabei ist auch die Auslandskirche nicht frei von Sünde. Die offene Unterstützung für Hitler beim Überfall auf die Sowjetunion zählt wohl zu den dunkelsten Kapiteln der orthodoxen Kirchengeschichte. In seiner berüchtigten Osterbotschaft 1942 pries Metropolit Anastasi, zu der Zeit Oberhaupt der Auslandskirche, das „tapfere germanische Schwert“, das Kiew, Smolensk und Pskow von den Kräften der Hölle befreit habe.

Quelle: Russische Kirche: Wiedervereinigung nach 80 Jahren


da kann man nur sagen: Möge Gott es geben, daß die Wunden der Zeit verheilen, damit die Kirche des Heiligen Russlands auch in ihrem Inneren genesen kann und zu neuer Kraft kommt.

Der seinerzeit in Paris residierende Metropoliten Evlogij
14.8.07 21:37


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