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Im Namen des Vaters

Das ist die Fratze des Islam, wie er heute in Beirut aussieht und wie es in 40 Jahren hier bei uns aussehen wird. Vor 40 Jahren hätten die Christen aus Beirut auch nicht gedacht. Aber lesen Sie selber:

 

12. August 2007, NZZ am Sonntag

Im Namen des Vaters

Mit 23 erbte Nayla Tuéni den liberalsten Zeitungsverlag der arabischen Welt, weil ihr Vater Opfer eines Attentats wurde. Nun kämpft die Libanesin an seiner Stelle gegen den Fundamentalismus. Auf einer Todesliste steht auch sie. Von Christoph Zürcher

 Gebran Tuénis Adresse ist seit eineinhalb Jahren ein Familiengrab auf dem griechisch-orthodoxen Friedhof in Ostbeirut. Doch er bekommt noch jeden Morgen die neueste Zeitung.

Zweimal zusammengefaltet legt sie seine Tochter Nayla jeden Tag um neun links auf den Stapel auf dem Pult in seinem ehemaligen Büro. Und einmal pro Woche stellt Nayla frische Rosen in die hohe Vase. Eine rote und eine weisse. Dieselben Farben wie die Fahne hat, die den Stuhl hinter dem Pult bedeckt. Es sind die Farben der libanesischen Unabhängigkeitsbewegung, deren Führer Gebran Tuéni war.

Abgesehen davon ist auf dem Pult noch immer alles so wie an dem Tag, als Tuéni es das letzte Mal verlassen hat. Ein paar seiner Lieblingsbonbons liegen da. Ein silberner Brieföffner in der Form eines Hahns. Der Hahn ist das Symbol der Zeitung «An-Nahar», was «Der Morgen» heißt, der Zeitung, die Gebran Tuéni als Verleger und Chefredaktor geleitet hat. Weiter liegen da ein Brief, der noch darauf wartet, geöffnet zu werden, und ein Notizzettel, auf dem in einer ruhigen Schrift in schwarzer Tinte ein Satz auf Französisch steht. Das letzte Wort ist «silvestre». Alles so, als würde Tuéni jeden Moment zur Tür hereinspazieren, um seine Arbeit fortzuführen.

Die Zeit zum Sterben ist für Gebran Tuéni offenbar noch nicht gekommen. «Er ist nicht tot», sagt Nayla Tuéni. Es ist ein sonniger Dienstagmorgen in Beirut. Das Mittelmeer vor den Fenstern leuchtet blau wie ein Ferientag. Die Frauen haben Sommerkleider an. Man könnte für einen kurzen Moment fast der Illusion verfallen, Beirut sei wieder das Nizza des Ostens, das es einmal war, wären da nicht die fast leeren Strassen.

Wie jeden Tag hat sich Nayla den Button mit der Foto des Vaters an die Brust geheftet. Sie sitzt auf dem Sofa gegenüber seinem Pult. «Tot ist mein Vater erst, wenn sein Traum von niemandem mehr geträumt wird. Der Traum eines friedlichen Zusammenlebens von Christen und Muslimen. Es ist jetzt meine Aufgabe, diesen Traum am Leben zu erhalten.» In einer Ecke des Büros ihres Vaters hat sich Nayla ihr eigenes Pult aufstellen lassen. Es steht so, dass sie ihren Vater immer im Blickfeld hat.

Nayla Tuéni wird diesen Herbst 25. Kürzlich ist sie in den Verwaltungsrat von «An-Nahar» aufgestiegen. Über kurz oder lang wird sie die Chefredaktion übernehmen. Zurzeit ist sie für die vielbeachtete wöchentliche Beilage verantwortlich. Spricht sie von ihrem Vater, wird ihre Stimme hart wie Glas, ihr Gesichtsausdruck sinkt auf null. Der amerikanische Journalist Thomas Friedmann hat geschrieben: «Wer in Beirut überleben will, der legt sich sehr schnell eine schusssichere Weste zu, schusssicher nicht nur gegen Kugeln und Granatsplitter, sondern auch gegen zu viel Gefühle.»

Das Erbe von Gebran Tuéni anzutreten, ist nicht gerade eine kleine Angelegenheit. Einerseits sind die Tuénis, obwohl der christlichen Minderheit angehörend, eine der bedeutendsten Familien der Levante. Nalyas Urgrossvater war vor dem Ersten Weltkrieg die Stimme der libanesischen Exilanten in Kairo. Naylas Grossmutter Nadia ist die bis heute bekannteste Dichterin des Landes. Und ihr Grossvater war während des Bürgerkriegs Botschafter Libanons bei der Uno und erhielt vor zwei Jahren von Dominique de Villepin den Orden der Ehrenlegion.

«An-Nahar» anderseits ist in der arabischen Welt eine liberale Institution. Die Zeitung wurde 1933 von Naylas Urgrossvater gegründet und ist keines der Blätter, in denen Männer mit Bärten gegen Israel und den Westen hetzen und schärfere Schleier-Vorschriften für die Frauen fordern.

Bei «An-Nahar» gibt es Fotostrecken mit Frauen im Bikini. Es gibt Reportagen über Heiraten zwischen Christen und Muslimen. Und in einer der letzten Ausgaben gab es einen Artikel über die Lieblingsmusik von Paaren für erotische Stunden. Auf dem ersten Platz landete Marvin Gay mit «Sexual healing», knapp vor Barry White.

Unerschrockene Haltung (weiterlesen)

13.8.07 21:26
 



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