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Verheerende Bilanz der Türkenherrschaft in Ungarn

 

Áus dem Epos: "Die Gefahr von Sziget" - Zrinyi
Wir lebten wie Helden und sterben wie Helden,
So lassen wir die Kunde von unserer Welt leben,
Heute ziehen wir Ehre auf unseren Namen,
Dieser Tag veredelt unsre vergang'nen Taten.

...
In unserer letzten Stunde soll der Türke darben
Damit er erkenne, dass Gott bei den Christen weilt.

Die verherende Bilanz der Türkenherrschaft in Ungarn Aus: Paul Lendvai - Die Ungarn. ein Jahrtausend Sieger in Niederlagen

Die nationale Katastrophe von Mohács bedeutete eine Zäsur nicht nur in der ungarischen, sondern auch in der ost- und mitteleuropäischen Geschichte. Papst Pius II bezeichnete Ungarn als "Vormauer und Schild der Christenheit". Nun wurde aus der mitteleuropäischen Großmacht, die fast 150 Jahre einen Sperriegel gegen die türkische Expansion gebildet und auf dem Balkan immer wieder als Speerspitze des Widerstands gegen die osmanische Herschaft gewirkt hatte, ein Niemandsland.

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Während die Gegenkönige einander auf den Trümmern des Staates bekriegten, besetzten die Trüken schrittweise den fruchtbaren Teil des Landes, das eigentliche Siedlungsgebiet der magyaren, die Donau-Theiß-Ebene samt ihren Randgebieten. Mit Lug und Trug gelang es Suleiman 1541 nach zwei vorübergehenden Einnahmen, auch die Hauptstadt Buda ohne einen Schuß oder Schwertstreich endgültig zu besetzen: unter dem Vorwand des Schutzes des einjährigen Johann Sigismund und seiner Mutter.

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Es ist heute müßig, darüber zu spekulieren, ob die Niederlage von Mohács oder der Fall von Buda den absoluten Tiefpunkt im Niedergang der historischen Ungarn im Sinne der definitiven Dreiteilung darstellte. Alle ungarischen Historiker sind sich aber einig, dass rund 170 Jahre der Osmanenherrschaft die größte Katastrophe der ungarischen Geschichte bedeuteten, mit schicksalhaften demographischen, ethnischen, wirtschaftlichen und sozialen Folgen. Man kann ohne Übertreibung sagen, dass die Wurzeln jener Entwicklung, die mit dem erzwungenen Friedensvertrag von Trianon nach dem Ersten Weltkrieg zur Amputation des historischen Ungarn führte, in die Türkenzeit vor über 400 Jahren zurückreicht.

Für die Zukunft Ungarns war es besonders tragisch, dass die fast ausschließlich von Magyaren besiedelten Gebiete, also die Große Tiefebene und die Hügellandschaft Transdanubiens, die schwersten Verluste hinnehmen mußten, während die von den Deutschen bewohnten Städte und auch die Siedlungsgebiete der Slowaken, Rumänen und Ruthenen in Nordungarn und Siebenbürgen relativ glimpflich davonkamen. Das früher reichste Gebiet in Südungarn und die zentrale mittlere Ebene waren in den ersten Kämpfen am stärksten verwüstet und die Bevölkerung schon Mitte des 16. Jahrhunderts ausgerottet worden. Vor Mohács stellten die Magyaren rund 75 Prozent bis 80 Prozent der auf 3,5 bis vier Millionen geschätzten Gesamtbevölkerung. Um 1600 schätzte man sie aber nur mehr auf etwa 2,5 Millionen. Nach dem Rückzug d er Türken betrug die geschätzte Einwohnerzahl rund vier Millionen; dass heißt, um 1720 hat sie den spätmittelalterlichen Stand knapp überschritten.

Bei diesen Zahlen müssen zwei wichtige Faktoren beachtet werden. Unter normalen Umständen hätte sich die Bevölkerung in 200 Jahren mindestens verdreifachen müssen, meinte Thomas von Bogyay. nach seinen Schätzungen ging der natürliche Zuwachs von acht bis zehn Millionen Menschen aber vollständig verloren - fast ausschließlich auf Kosten der Ungartums. Szekfü ging sogar so weit zu behaupten, dass ohne türkische Intervention die Bevölkerung bis Ende des 17. Jahrhunderts auf 15 bis 20 Millionen hätte steigen können. Der Anteil der Ungarn wäre dann 80 bis 90 Prozent gewesen. Vorsichtigere Schätzungen gehen von einem Nettoverlust von einer Million Menschen aus. Danach hätte Ungarn nach der Türkenzeit etwa so viele Einwohner aufweisen sollen wie England.

Noch gravierender war aber die radikale Verschiebung der ethnischen Zusammensetzung zuungunsten der Ungarn. Sie hatten die Hauptlast der Kämpfe getragen. Es waren vor allem die ungarischen Sklaven, die im Osmanischen Reich sehr begehrt waren und besonders hohe Preise auf den Sklavenmärkten des Orients erzielten. Die Ungarn litten auch deshalb mehr als etwa die Bewohner der Balkanländer, weil sie sich nicht in schwer zugänglichen Bergregionen verstecken konnten. Ferner war die Zahl der zum Islam Konvertierten im Gegensatz zum Balkan minimal.

Die ständige Flucht von Serben nordwärts und Slowaken südwärts sowie der massive Zustrom von Rumänen aus der Walachei verringerten den ungarischen Anteil an der Gesamtbevölkerung auf rund die Hälfte. Allein 1690/91 wurden rund 200.000 serbische Flüchtlinge vor einer trükischen Gegenoffensive auf Anordnung Kaiser Leopolds in Ungarn aufgenommen. Wenn man noch die bewußte, großangelegte Ansiedlung von Deutschen und Slawen im 18. Jahrhundert vorgreifend erwähnt, so ist es nicht überraschend, dass die Volkszählung von 1787 bei einer Einwohnerzahl von 8,5 Millionen einen ungarischen Anteil von lediglich 39 Prozent aufwies. Hinter diesen trockenen Zahlen verbirgt sich eine tragische nationale Entwicklung.

Die südlich der Linie Györ-Buda-Debrecen gelegene Große Tiefebene wurde im Laufe der Jahrzehnte durch Verwüstung, Verödung und Abholzung in eine baumlose, steppenartige Pußta umgewandelt. Einst blühende Dörfer blieben nach der Flucht der Bauern menschenleer. Selbst in Vác (Weitzen), nicht weit von Buda, traf ein Reisender 1605 eine Handvoll Bauern an, die nur vom Hörensagen wußten, dass an der STelle, wo ihre armseligen Hütten standen, früher eine reiche Stadt gewesen sei. Edward Brown, ein Reisender aus ENgland, berichtet 1669/70, dass er von Wien bis Belgrad durchweg über eine endlos scheinende dunkelgrüne Grassteppe dahingefahren sei, die Landschaft machte auf ihn den Eindruck eines gewaltigen Meeres.

Lady mary Wortley Montagu, mit ihrem zum britischen Gesandten bei der Hohen Pforte ernannten Gemahl nach Konstantinopel unterwegs, schreibt am 16. Januar 1717 ihrer Freundin aus Wien:

Prinz Eugen war so gütig, mir das alles zu sagen, um mich zu überreden, das Auftauen der Donau abzuwarten und bequem zu Wasser zu reisen. Er versicherte mir, dass die Häuser in Ungarn nicht einmal gegen das Wetter schützen und dass ich von Buda bis Esseg ohne ein Haus anzutreffen, drei oder vier Tage durch wüste, mit Schnee bedeckte Ebenen würde reisen müssen, wo die Kälte so heftig ist, dass sie viele getötet hat. Ich bekenne, dass diese Schrecknisse einen tiefen Eindruck auf mein Gemüt gemacht haben...

Die Bilanz der Türkenzeit im zentralen Ungarn und auch in Transdanubien war ein vollständiges Ausbluten ganzer Landstriche. Der großflächige Ruin erstreckt sich Mitte des 17. Jahrhunderts in den türkisch besetzten Gebieten auf 90 Prozent der Ebenen, auf zwei Drittel des Getreideackerlandes und auf die Hälfte der Viehhaltung. Aber damit nicht genug. Nach der Besetzung Süd- und Mittelungarns verwüsteten die Truppen des Sultans nicht nur in den "großen" Kriegen alles, was ihnen in den Weg kam, sondern auch in den ständigen Kleinkriegen der sogenannten Friedneszeiten - bis hin zu ganzen Dörfern. Besonders gefürchtet waren die Krimtataren, die als Hilfstruppen durch Ungarn und Siebenbürgen zogen und überall eine Blutspur hinterließen.

Selbst im Verwaltungsbezierk Buda, also um die frühere Hauptstadt, registrierten die türkischen Beamten einen Rückgang der steuerzahlenden Haushaltsvorstände von 58.742 im Jahr 1577/78 auf nur 12.527 im Jahr 1662/63. Kampfhandlungen, Seuchen, die Verschleppungen und nicht zuletzt die Ermordung von zahlreichen Flüchtlingen, samt den Hungersnöten, entvölkerten einst blühende Gebiete. Nun lebten dort die eingesickerten oder angesiedelten Rumänen und Serben oft in primitiven, halb in der Erde versunkenen Holzhütten, die sie bei Überweidung des Ackerlandes oder bei Gefahr von Grenzzwischenfällen sofort verließen.

Nichts könnte die Dimensionen der Verwüstung besser illustrieren als die Tatsache, dass selbst eine Generation nach dem Abzug der Trüken Debrecen, die größte Stadt Ostungars, nur 8000 und Szeged in Süden bloß 5000 Einwohner zählte. Im Umkreis von etwa 40 Kilometern außerhalb dieser Zentren gab es kaum mehr eine Siedlung. Auch Transdanubien wurde schwerstens heimgesucht. Dieses Gebiet war am Ende des Mittelalters, in den 1490er Jahren, fast völlig von Ungarn bewohnt. Damals zählte man 900.000 Bewohner. Unter türkischer Herrschaft schrumpfte die Bevölkerung auf ein Drittel, und selbst 1720 zählte man erst rund eine halbe Millione, wobei der ANteil der Magyaren auf etwa 50 Prozent gefallen war.

Die türkischen Eroberer teilten das Land in fünf Paschaliks (=Amtsbereich eines Paschas) unter der Kontrolle des Beglerbeg, des Paschas von Buda, auf Eigentümer des gesamtesn "Khas" Güter "für Allah", also direkt, verwaltete. Während die staatlichen Güter eine gewisse Rechtssicherheit und Beständigkeit in der Verwaltung boten und den Bauern oft weniger Belastungen als bei den früheren Grundherren ertragen mußten, wollten die türkischen Berufssoldaten (spahis) und Beamten aus den als Lehen auf Widerruf zugeteilten Gütern in möglichst kurzer Zeit einen möglichst hohen Gewinn herauspressen. Die Folge war eine frücksichtslose Ausbeitung und damit korrespondierend die Landflucht der Bauern. Die berühmte Pußta in Ostungarn mit der extensiven Großviehzucht ist vor allem auch ein Erbe aus dieser Zeit.

Die Verwaltung des türkisch besetzten Drittels des ungarischen Teritoriums blieb in jeder Hinsicht ein Fremdkörper. Das einzige Ziel der Eroberer war die Absicherung ihrer Vorherrschaft in den besetzten Gebieten. Auch die häufigen Wechsel in den Ämtern und die Belehnungen dienten diesem Zweck. Je höher der Rang des Beamten, desto kürzer sein Aufenthalt in Ungarn - mit dieser Faustregel wußte man in Konstantinopel (Istanbul) persönliche Bindungen zu verhindern. Während der 145 Jahre türkischer Besatzung von Buda zählte man 99 Paschas in dieser höchsten Position.

Die relative nationale und religiöse Freiheit war die natürliche Folge einer Verwaltung, welche die lokalen Instititionen ignorierte und gerade dadurch ihre Exitsenz zementierte. Solange die Verpflichtungen gegenüber den Besatzern erfüllt wurden, mischten sich die Türken nicht in die inneren Angelegenheiten der Rajahs, der christlichen Untertanen, ein. Es gab keine Bestrebungen zu einer Verschmelzung oder Assimilierung der ungarischen Bevölkerung, deren Zahl unter direkter türkischer Herrschaft zwischen einer und anderthalb Millionen, je nach den diversen Schätzungen, schwankte.

Darüber hinaus machten die Türken keinen Unterschied zwischen Adligen und Leibeigenen. Nicht nur die einfachen Soldaten auf dem Schlachtfeld, sondern auch die loyalen Bauern konnten den Adelsbrief relativ leicht bekommen. Zunächst war die Erhebung in den Adelsstand oft ein leeres Wort und wahscheinlich deshalb so leicht zu erlangen. Ein starkes Anwachsen der Zahl armer Kleinadliger gab es nämlich nicht nur im Königlichen Ungarn und im Fürstentum Siebenbürgen, sondern auch im türkischen Gebiet. Die Türken duldeten, dass die Bauern und die Gemeinden dem ungarischen Staat, bzw. ihren abwesenden, weil nämlich rechtzeitig geflüchteten Grundherren Abgaben leisteten und sogar kommunale Projekte und Rechtstreitigkeiten den im königlich-habsburgischen Landesteil amtierenden Komitatsbehörden vorlegten. Dass es keine geschlossenen Grenzen gab und dass die Händler, Geistlichen und Prediger ungehindert von einem Herrschaftsgebiet ins andere reisten bzw. zurückkehren konnten, verlieh dem Nationalgefühl und dem Überlebenswillen einen langfristig ungeheuer wichtigen Auftrieb.

Vor diesem Hintergrund ist auch die Relevanz der politischen Witze im kommunistisch regierten Ungarn 400 Jahre später zu verstehen:

Warum war (der russische) Staatschef Nikolai Podgorny kürzlich zu offiziellem Besuch in der Türkei? Antwort: Um herauszufinden, wie seinerzeit die türkischen Truppen über 150 Jahre in Ungarn bleiben konnten...

Oder eine andere Variante, mit Blick auf die regelmäßigen Feiern zum Jahrestag der von den meisten Ungarn als Knechtschaft betrachteten "Befreiung" durch die Rote Armee:

Ein Abgesandter Moskaus fuhr nach Ankara, um bei den zuständigen Behörden eine Auskunft einzuholen.

Frage: Wie haben es die Türken seinerzeit angestellt, diese aufsässigen Ungarn 150 Jahre lang zu beherrschen?

Antwort des ungenannten hohen Beamten in der türkischen Hauptstadt: So viel ist sicher, den Jahrestag der Schlacht bei Mohács haben sie nicht feiern lassen...

Das türkische System sei in seinen besten Zeiten völlig unproduktiv und in den häufigeren schlimmsten Perioden grausam destruktiv gewesen, meint macartney und fügt noch hinzu, außer einigen Bädern und Festungen hätten die Türken nichts nach Ungarn gebracht, dafür aber das, was sie dort vorfanden, zerstört oder dem Verfall presigegeben.

Türkische Motive tauchen allerdings wiederholt in den Versen des ersten großen ungarischen Dichters Bálint Balassi auf, der bei der Belagerung der Burg Esztergom 1594 gegen die Türken fiel und dessen Lyrik in den Worten des ungarischen Literaturhistorikers György Mihály Vajda "echte Religiosität" ebenso wie "sinnliche Zügellosigkeit" spiegelt. Aus einer Familie von mittelalterlichen Raubrittern und Renaissance-Abenteurern stammend, schrieb und sprach er neun Sprachen. Mal bekalgte Balassi den "Verderb der ungarischen Nation", mal sang er das Lob der Wienerinnen Susanna und Anna-Maria aus dem "Tiefengrabenstädchen". Balassi wurde berühmt wegen seiner Liebesabenteuer, aber mehr noch als Krieger auf dem Schlachtfeld. Seine schönsten Liebesgedichte hat man allerdings erst 1897 (!) gefunden und veröffentlicht.

Balassi war nicht der einzige, wenn auch - bis zum Tode Sándor Petöfis 1849 - der genialste Lyriker, der den Heldentod starb. Damals wie später lieferten die Zusammenstöße um die Grenzfestungen entlang der Randgebiete des königlich-habsburgischen Ungarn und des Fürstentums Siebenbürgen, die verwegenen Ausbruchsversuche aus einem Belagerungsring, blitzschnelle Angriffe in Feindesland und legendäre Zweikämpfe zwischen berühmten Kriegen den Stoff für Dichter und Komponisten.

Die heldenhaften Kommandanten der Burgen und Grenzfestungen, wie Miklós Jurisich bei Köszeg (Güns). György Szondi bei Drégely, István Dobó bei Eger (Erlau) und vor allem Miklós Zrinyi bei Szigetvár hielten durch ihren Wagemut wiederholt nicht nur türkische Großangriffe gegen Wien auf. Sie gingen auch in die ungarische und deutschsprachige Literaturgeschichte ein. So schrieb der berühmte Feldherr und Dichter Graf Miklós Zrinyi fast hundert Jahre danach über seinen Urgroßvater gleichen Namens und seinen heldenhaften Tod das Epos Die Gefahr von Sziget. Anderthalb Jahrhunderte später verwendete der Dichter Theodor Körner das gleiche Thema in seinem 1812 in Wien uraufgeführten Drama Zriny. Körner läßt einen Kämpfer sagen: "Ein freier Ungar beugt sich nur vor Gott und seinem König!" Die Hymnne auf den ungarischen Heldenmut und die Treue der Ungarn zu ihrem Herrscher soll von den Wienern, mit Blick auf den Freiheitskampf gegen Napoleon I., stürmisch bejubelt worden sein.

Bereits zur Zeit der Türkenkämpfe hatte die ungarische Taperkeit europäischen Ruhm erlangt. Aeneas Sylvius Piccolomini, der spätere Papst Pius II., schreibt in einem privaten Brief, vergössen die Ungarn nicht ihr Blut, müßten die anderen europäischen Nationen es tun. Auch zeitgenössische deutsche, französische und italienische Beobachter loben die Kriegertugenden der Ungarn. Der Kroate Georgievitz, der sich "Peregrinus Hungaricus" nennt, ruft 1554 aus: "Welche Nation ist tapferer als die ungarische?"

In einem grundlegenden Essay über das europäische Ungarnbild bemerkt Sándor Eckhardt, dass sich manchmal auch Mitleid in diese Verherrlichung mischt, wie zum Beispiel bei Voltaire: "Unter allen Völkern, die im Laufe der Geschichte vor unseren Augen vorbeizogen, war keines so unglücklich wie die Ungarn. ... Vergeblich brachte die Natur kräftige, schöne, geistvolle Menschen in ihr hervor..." Eckhardt zitiert auch Jean Bodin, der den Schlüssel zur Kriegstüchtigkeit der Magyaren in der Witterung im Sinne der antiken Klimalehre zu finden vermeint: "Ungarn ist ein windiges Land; daher sind seine Bewohner auch lebhafter und kriegerischer." Dagegen sei der Franzose höfflich und von angenehmen Sitten, weil er unter einem gemäßigten Himmelstrich lebe...

 

 

Die Osmanische Expansion und Herrschaft war für Mittel und Osteuropa weit verherender als alle Schreckensherrschaften des zwanzigsten Jahrhunderts (Nazizeit, Stalinismus und Kommunismus) zusammen. Die blühendsten Reichen und Staaten des alten Europa fielen ihr zum Opfer: Byzanz, das zivilisierteste Reich der damaligen Welt; Ungarn, vor der Zeit der Osmanen ein blühendes Großreich; das Bulgarenreich; die Republik Venedig. Die Moderne Türkei regiert heute noch unrechmäßig über unterdrückte Fremdvölker und kurdische, armenische und griechische Fremdgebiete.

Ich hoffe, dass meine Leser aus diesem Text wichtige Erkenntnisse beziehen. Hier werden nämlich auch die dunklen Seiten einer islamischen Herrschaft angeleuchtet und dadurch gewinnt man eine genauere Vorstellung, wie das Leben z. B. im friedlichen Al Andaluz von einst ausgesehen haben mag, was unter der religiösen Toleranz der Moslmes vorzustellen ist. Westliche Geschichtsschreiber unserer Tage präsentieren ein ähnlich verklärtes Bild der Osmanenerrschaft, wie das in jeder TV-Dokumentation und in jeder wissenschaftliche Abhandlung über das Osmanenreich zu finden ist (siehe auch unseren Archiv)

Das wichtigste, was ich meinen Lesern mitgeben will, ist aber das Erkenntnis, was es bedeuten wird, vor einer niedrigeren "Kultur" überrannt und beherrscht zu werden. Ungarn hatte beides erfahren. Die Abhängigkeit vom Österreichischen Reich und vom äußerst rückständigen Osmanischen Reich. Eine rückständige Islamische Herrschaft kann und darf man mit einer zivilisierten Unterdrückungsherrschaft, wie z. B. die Kolonialherrschaft oder die Naziherrschaft, nicht vergleichen.

13.12.07 09:34
 



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