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Kreta: Die Geschichte Arkadis

Arkadi ist das griechische http://de.wikipedia.org/wiki/Masada target="_blank">Masada. Kennt jemand die Geschichte? Kennt jemand, der kein Griecher ist, die Geschichte? Wir sprechen nicht von der wunderschönen Land Arkadienen des antiken Griechenland, sondern vom Kloster Arkadi und von jenen 800, 1500 oder gar mehr Griechen, die dort im Jahre 1866 kollektiven Selbstmord begingen, damit sie nicht den Türken in die Hände fielen. Ihre genaue Zahl weiß man heute nicht mehr.

Wir wollen die Geschichte aus  mehreren Perspektiven kennen lernen.

Zunächst ein paar Fragmenten aus der Broschüre "Das Arkadi Kloster. Geschichte - Kunst - Traditionen" von Theocharis Provatakis. Die Broschüre ist im Kloster Souvenirladen des Klosters erhältlich.

 
Das Arkadi Kloster

Die Arkadi Tragödie 

Kreta war zweihundertfünfzig Jahre von den Türken besetzt, und die Insel blutbefleckt von wiederholten Aufstaenden, wie der von Daskaloyianni 1770 gefuehrte, gefolgt von dem, gegen die Yenitsari 1821 (...) In den schweren Jahren des Kampfes für die Freiheit, verblieb der Kampfgeist der Kretenser ungebrochen. Sie waren von dem einen Wunsch besessen, die Insel zu befreien und mit dem Mutterland zu vereinen.

Der Aufstandvon 1866 war ein ernster Schlag für das türkische Reich, kostete finanzielle Verluste und erschütterte das Prestige der Armee. Von Anfang an, war das Arkadi Kloster Mittelpunkt der revolutionären Aktivitäten, auf Grund seiner strategische Lage. Deshalb versammelten sich hier am 1. Mai 1866, 15.000 Aufständische unter Hatzi Michael Giammaris, Führer der Kydonier und beschlossen den Gegenangriff. Während der Versammlung wurde für jede Provinz ein Vertreter gewählt. President für das Rethymno Kommitte wurde der ABt des Arkadi Klosters, Gabriel Marinakis, aus Margarites, im Bezirk Mylopotamos. Von imposanter Statur und sportlicher Haltung, war er eine eindrucksvolle Persönlichkeit.



Abt Gabriel
Abt Gabriel


Als Ismael Pasha von diesen Aktivitäten erfuhr, liess er dem Abt durch den Bischof von Rethymno, Kallinikos Nikolatakis, eine Botschaft überbringen, in der er begehrte, das Kommittee aufzulösen, oder er würde das Kloster zerstören. Der Abt weigerte sich jedoch. Im Juli sandte Ismael Truppen, um das Kommitte aufzulöesen. (...) Diese Nachricht lste Uneinigkeit zwischen den Mitgliedern aus. Hatzi Neophitos, ein alter, bärtiger Mönch sprach zuerst:

"Schick das Kommittee fort, Abt. Sonst wird man uns beschuldigen, an der Zerstörung des Klosters Schuld zu sein."

Der Abt sah ihn gelassen an und erwiederte:

"Geh' selbst, wenn Du Dich fürchtest. Das Kommittee bleibt!"

Der alte Mann beharrte aber, und der Abt, ihm in die Augen schauend, sagte:

"Neophitos, Neophitos, schau mich an, und höre was ich Dir zu sagen habe! Siehst Du ie verrussten Balken, die aus dem 1821 Aufstand stammen?"

"Ja, die sehe ich".

"Mit deren Staub werde ich die Gesichter derer beschmieren, welche mich beschuldigen sollten, das Kloster für die Freiheit und Grösse unserer Nation, auf's Spiel gesetzt zu haben".

"In diesem Fall, ABt, lasst uns weiter kämpfen, und wo Du sterben solltest, will ich auch sterben. Ich wünschte es wäre schon morgen!"

Nach diesem Beshcluss, würde über Verteidigungsmassnahmen verhandelt. (...)Auch die Frauen und Kinder der Freiheitskämpfer bestanden darauf:

"Was unseren Männern geschehen mag, soll auch unser Schicksal sein."

Koroneos [Panos Koroneos war der kommandierende General der Aufständischen] blieb bei seinem Beschluss, den Ausgang des Kampfes voraussehend:

"Ich kam, um für mein Land mein Leben zu lassen, nicht aber um lebend in Gefangenschaft zu geraten".

Als niemand ihn erhörte, riet er die Ställe zu vernichten, damit der Feind sie nicht benutzen konnte. Auch liess er Bienen sammeln, um diese als Waffen gegen die Türken zu verwenden. Anschliessend machte er Ioannis Dimakopoulos, aus Gortynia auf dem Peleponnes, zum Kommandeur der Garnison, und verliess mit seinen Soldaten das Kloster. In dessen Mauern eine grosse ANzahl von Frauen und Kindern aus den umliegenden Dörfern, Zuflucht gesucht hatten. Es befanden sich am 7. November 1866, 964 Menschen in Arkadi, 325 Männer, davon 259 bewaffnet, der Rest waren Frauen und Kinder.

Da Arkadi der Mittelpunkt der Verschwörung war, gab Mustapha Pasha den Befehl zum Sturm auf das Kloster. Bei Tagesanbruch des 8. November 1866 marschierten die Türken, geführt vom Schwager des Bey's, Mustapha Suleiman, in Richtung Arkadi. Der Bey selbst blieb im Dorf Messi zurück.

Am Morgen des gleichen Tages hielten die MÄnner, Frauen und Kinder in der Kirche Morgenandacht. Gerade als der Abt Gabriel die Hochmesse zelebrierte (Michaelismesse), erreichte ihn die Botschaft vom Anmarsch der Türken. Er erhob die Hände im Gebet, bekreuzigte sich und sagte:

"Meine Kinder, es gibt keinen Tod. Lasst uns heldenhaft kämpfen, damit wir vor unserem Schöpfer mit reinen HÄnden dastehen. Es lebe der Krieg, es lebe die Freiheit".

"Sie möge immer leben!" stimmte die Versammlung ein. Danach beteten sie zu Gott. ANschliessend befehligte der Kommandeur:

"Auf Eure Plätze Männer!"

Bald hörte man Suleiman die KÄmpfer zur Kapitulation auffordern. Er hatte Posten auf dem Hügel Kore, gegenüber dem Kloster, bezogen. Es antworteten ihm nur Gewersalven. Das Klosterbanner, die Metamorphose darstellend, wehte stolz über dem Westtor. In der nordwestlichen Ecke wehte die blau-weisse Fahne des Anführers George Daskalakis. Viele Male brach der Mast unter Beschuss zusammen, wurde aber von den christlichen Verteidigern immer wieder aufgerichtet.

Selbst die Frauen halfen mit. Sie trugen Munition und Trinkwasser herbei. Als die Türken versuchten das Tor einzubrechen, wehrten die Eingeschlossenen ab. Der Kampf dauerte den ganzen Tag, den Klosterkomplex mit Leichen übersäend. Es began zu regnen, als die Schlacht endlich abbrach.

Jeder Moment der verstrich, machte die Hoffnung auf Rettung zunichte. Die Türken schafften von Rethymno zwei Kanonen herbei. Einen davon nannten sie "Koutsahila". Diese stellten sie in den ehemaligen Ställen auf. In dieser Nacht beriet man im Kloster, Hilfe von Amari herbeizurufen. Man schickte die Mönche Kraniotis aus Krana, in Mylopotamos, und Adam Papadakis aus Pikiri, in Rethymno, mit einem Brief zu Koroneos, der sich in Klisidi, Amari befand. Die beiden wurden an Seilen aus einem Fesnter über dem kleinen Südtor herabgelassen. Sie gaben sich als Türken aus, und konnten so ungehindert passieren.

Nachdem ihre Mission ausgeführt war, kehrte Papadakis zum Kloster zurück, in der Gewissheit, seinem Tode entgegen zu gehen. Unzweifelhaft war er einer der mutigsten aller Arkadi Helden, denn wissentlich marschierte er in sein Grab, obwohl er in Freiheit gewesen war, weitab von dem, ihn nun umgebenden Höllenfeuer.

In der Nacht des 8. November rief die Klosterglocke die Gläubigne zur Messe. Gealterte Krieger, Frauen, Männer und Kinder drängten zum Altar, um die letzten Sakramente zu empfangen. Ein letztes Mal ermutigte sie der Abt, im Glauben an Jesus Christi, zu dem Opfer, dass von ihnen verlangt wurde. Selbst die Jüngsten merkten, dass dieses, die letzten Stunden ihres Lebens sein würden. Unbeschreiblich das Heldentum, welches sie bewiesen, die Belagerten, jedoch freien Kämpfer des Arkadi Klosters. Sie waren besiegt, und kämpften nun für ihren Glauben, ihre Religion und ihr Land.

Der 9. November brach an, und die Schlacht began aufs Neue. Die Klostermauern erzitterten unter dem Beschuss der Kanonen, bis schliesslich das Westtor einstürzte. Im Kloster brüllten die Löwen, während draussen die Tieger vor Gier tobten. Die Schreie der Frauen, der Lärm der Kanonen und das bestialische Brüllen der Türken, überflutete die Gegend meilenweit. Der Abt eilte von Gruppe zu Gruppe, tröstend und ratgebend:

"Wer noch am Leben ist, wenn die Türken übernehmen, begibt sich sofort ins Arsenal beim Kastrini Tor. Dort wird Feuer gelegt, damit wir alle in der Feuerbrunst sterben, und nicht in die Hände der Türken fallen".

Der Kampf dauerte an. Die Türken erlitten grosse Verluste, aber auch im Kloster starb einer nach dem anderen. Daskalakis Frau nahm den Toten die WAffen ab, um sie an die Lebenden weiterzugebne. Die Schlacht erreichte den Höhepunkt, als den Kretensern die Munition ausging. Das war der Moment, den die Türken zum Anfall benutzten. Mit Bajonetten, Schwertern und kretenser Dolchen meuchelten sie alles nieder, was sich ihnen in den WEg stellte. Wildschreiende Frauen und Kinder rannten zum Arsenal, ihrem letzten Opfer entgegen, während die Männer den Türken mit nackten Händen entgegen traten. Ein junges Mändchen lief noch einmal in den Hof zurück und rief, so wie Giaboudakis kurz vorher:

"Kommt ins Arsenal!"

Viele Frauen und Kinder leifen in den Flammentod, als dass sie sich den türkischen Peinigern ergeben hätten. Wenige Frauen mit Kleinkindern auf den Armen, eilten ihren Männern zur Hilfe, mit Fingernägeln und Zähnen kämpfend, da sie keine Waffen hatten. Die Hoffnungslosigkeit hatte ihren Höhepunkt erreicht, als die Türken Befehl zum letzten Angriff gaben. Dimakopoulos und andere Kämpfer eilten vorwärts, mit ihren Schertern alles niedermähend. Als die Schwerter zerbrachen, schlossen sie sich in die Kellerzellen ein. Nun, da kein Widerstand mehr vorhanden war, stürmten die Türken von allen Seiten heran.

Es war dunkel, und fast alle Frauen und Kinder im Arsenal versammelt.

Konstantine Giaboudakis
Konstantine Giaboudakis



Konstantinos Giaboudakis, mit einer Pistole in der Hand, war bereit. Man stellte den versammelten Frauen und Kindern, welche sich im oberen Teil des Lagerraumes, und der nahegelegenen Zellen der Mönche Zacharias und Neophitos befanden, zum letzten Male frei, zu gehen, falls sie dieses wollten:

"Ich werde jetzt das Arsenal in Brand setzen, damit wir nicht lebend in Gefangenschaft geraten. Wer will, der gehe nun, damit deren Fluch nicht auf mir lastet".

Hunderte von Türken hatten sich, in dem Verusch die Tür aufzubrechen und die Christen abzuschalchten, vor dem Arsenal versammelt. Als auch die letzten der Türken herbeikamen, bekreuzigte sich Giaboudakis, und zielte auf die Pulverfässer. Eine ungeheuere Flamme schoss auf, gefolgt von einer lauten Explosion.

Die Tragödie war zu Ende. Steine, Körper, KÖpfe, Tonnen und Erde, flogen im Raum umher.



das Arsenal
Der Arsenal, das Ort der Tragödie ist heute eine nationale Gedenkstätte für alle Griechen. Jährlich pilgern unzählige Schulkinder und Erwachsene hierher.

Eine Ballade beschreibt diese Szene wie folgt:


Mitten in diesem Tumult,

wo man des Todes Rassel hörte, 

gab es eine donnernde Explosion.

Die Erde erschütterte und zitterte

und Menschen flogen herum,

Feuer, Rauch, Trümmer

und zerstückelte Körper von  

Männern, Frauen und Kindern 

Erhoben sich himmelwärts. 

Das Kloster stürzte zu einen Steinhaufen zusammen,

und der Psiloritis erschauderte,  

sowie alle Gebirge, und das gesamte Kreta

von einem Ende zum anderen erwiderte das Echo.




Später waren nur noch Rauch und Ruinen zu sehen. Sechsunddreissig junge Kämpfer, denen die Munition ausgegangen war, hatten im Refrektorium Schutz gesucht. Die Türken jedoch brachen die Tür ein, und metzelten alle nieder. (...)

Auf dem Hügel, dem Kloster gegenüber, fand man später grosse Mengen von Patronen. Die dort stationierten Kopten aus Ägypten hatten nicht auf ihre Glaubensbrüder schiessen wollen, und ihre Munition gegen Platzpatronen ausgetauscht.

Nach diesem Massenmord und der Zerstörung des Klosters, öffnete die "Kreta Frage" bisher verschlossene Türen der europäischen Diplomatie, anstatt sie zu schliessen. Das Lodernde Feuer welches den europäischen Geist weckte, brachte eine Änderung der Kreta Politik. Der Anfang des grossen Ringens für die Befreiung der Insel war getan.

Epilog 

Allen Kriegen, Revolutionen und Opfern, welche sich in Kreta über die Jahrhunderte abspielten, ist der Aufstand von Arkadi, dessen Fackelschein alle vergangenen Kämpfe überscheint, der wichtigste. Das Ringen der Kretenser füllt jede Seite im Buch der Geschichte, dieser einmaligen Rasse, und die Arkadi Tragödie, war die grösste, die heftigste von allen. Dnen Arkadi war nicht einfach ein geschichtlicher Augenblick, sondern ein Wunder, dass noch immer leuchtet und lehrt. Diejenigen, welche in Arkadi kämpften, waren nicht mit gleicher Anzahl Gegnern konfrontiert. Nein, für sie bestand kein Zweifel über dne Ausgang der Schlacht. Sie waren nicht zum Kampf gezwungen, sondern kämpften freiwillig. Es gab für sie keine Siegeschancen aber auch nicht die Gefahr, besiegt zu werden. Sie wussten genau, was sie zu tun hatten, wenn ihre Waffen nicht länger zu benutzen waren. Und so, zu einer Zeit, als die Weltmächte sich nicht um unsere Freiheit, sondern um ihren Reichtum kümmerten zog das Arkadi Kloster die Kreta Frage an einer brennenden Fackel auf. Diese grossartige und einmalige Tat erschütterte die zivilisierten Nationen, liess die Regierungen den Zorn der Theorie beführchten, und erlaubte der süssen Dämmerung, Licht auf den Tag zu werfen, an welchem Kreta endlich von den Fesseln der Versklavung befreit würde.

 

18.10.06 13:40
 



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