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Arkadi II

Hier ist nochmals die Geschichte, diesmal erzählt von Lambert Schneider für den Dumont-Verlag:

Geschichte

Im 19. Jh. hatte bei allen Aufständen der Bevölkerung gegen die türkische Herrschaft das wohlhabende Kloster eine führende Rolle als Widerstandszentrum gespielt. 1866, im Hauptjahr der am Ende militärisch erfolgosen Revolution, war Arkadi Versammlungsort der Anführer, die die regionalen Truppen der Aufständischen kommandierten. Abt Gabriel, der Gastgeber dieses Revolutionstreffens, wurde sogar zum Leiter der Aktivitäten für den Bezirk Rethymnon gewählt und das Kloster zur Zentrale des revolutionären Komitees der Provinz bestimmt.

Natürlich blieben dem in Rethymnon residierenden Pascha diese Aktivitäten nicht verborgen, und natürlich war all dies aus seiner Sicht kein berechtigter Kampf um Reiheit, sondern Separatismus und Terror. An den Abt erließ er die Aufforderung, sich umgehend aus den Aktivitäten der Aufständischen zurückzuziehen und das Kloster nicht als BAsis für militärische Aktionen zu missbrauchen. Abt Gabriel und die Revolutionäre lenkten jedoch nicht ein, ud so entsandte der Pascha ein 15.000 starkes Heer aus türkischen, ägyptischen und albanischen Truppenteilen in die Region. Nur eine relativ kleine Gruppe von Bewaffneten hielt sich zu diesem Zeitpunkt im Kloster auf, dafür aber um so mehr Zivilisten, die sich im Zuge der Unruhen vor dem türkischen Militär hinter die Klostermauern geflüchtet hatten. Die Lage der von den osmanischen Truppen eingeschlossenen Klosterinsassen war aussichtslos. Auch der zuvor mit einem kleinen Kontingent vom griechischen Festland zu Hilfe geeilte General Koroneos hatte dies erkannt und war wieder abgezogen mit dem RAt an die Belagerten, aufzugeben.

Am 8. November 1866 treten die Türken zum Sturm an und nehmen einen Tag später das Kloster ein. Die Belagerten hatten sich zuvor in einer Abstimmung unter Anführung des Abts mehrheitlich dafür entschieden, in diesem Augenblick das Pulvermagazin mit all den im Kloster eingeschlossenen Menschen in die Luft zu sprengen. Kostas Giamboudakis - heute als kretischer Freiheitsheld gefeiert und in zahlreichen Denkmälern verewigt - war dazu ausersehen worden, den Schuss auf die Pulverfässer abzugeben. Dem Massenselbstmord fielen mehr als 800 Kreter zum Opfer, etwa ebenso viele osmanische Soldaten wurden durch die Detonation getötet.

Militärisch bewirkte die Aktion nichts, aber die Tat ging als Fanal durch die internationale Presse. Vereine sammelten Spenden für den Befreieungskampf, doch es sollte noch Jahrzehnte dauern, bis die Großmächte, von durchaus anderem politischen Interessen motiviert, 1898 der türkischen Herrschaft auf Kreta ein Ende setzten. Das makabre Ereignis mag heutige Betrachter an den kollektiven Suizid von Sektenmitgliedern in den USA bei der Erstürmung ihrer Camps durch die Bundespolizei erinnern oder an palästinensische Selbstmordkommandos in den israelisch besetzten Gebieten. Die Bewertung solcher Taten hängt immer von der jeweiligen Perspektive des Betrachters ab: Für heutige Griechen ist Arkadi das Symbol kretischen Leidens und kretischer Freiheit. An jedem 8. November, dem Vorabend des kretischen Nationalfeiertags, machen sich Tausende von Menschen wie zu einer Wallfahrt nach Arkadi auf und gedenken voller Stolz des schaurigen Ereignisses. Eine von Erzbischof Timotheos Veneris 1937 im Pulvermagazin angebrachte Inschrift stiftet dem Geschehen sogar religiösen Sinn: "Die Flamme, die in dieser Kriypta enzündet wurde und ihren Feuerschein über das glorreiche Kreta verbreitete, war Gottes Feuer, in dem sich die Kreter für die Freiheit opferten." Nachdenkliche Besucher werden aber auch an die in jener Abstimmung Unterlegenen denken, die Gefangenschaft dem Freitod vorgezogen hätten und hier mit ums Leben kamen.

 

 

19.10.06 19:16
 



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