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Literarische Texte

Die Flucht vor dem Licht

Die Flucht vor dem Licht

Iwan Iljin, Zollikon 1945

Aus dem Essayband "Blick in die Ferne"

Es ist nicht mehr als das Vorurteil, daß jedes Wesen - der aufgehenden Sonne harrt und sich auf das dämmernde Tageslicht freut. Es gibt auch solche Geschöpfe, die das Licht scheuen und bei Sonnenhelle erblinden, die für die Nacht geboren sind, die sich vor dem Licht verkriechen und die Finsternis genießen. Der Adler öffnet sein Auge der Sonne entgegen; aber der Nachtaffe versteckt sich in seine Baumhöhle, und die Katzeneule hockt den Tag über in ihrem dunklen Ruinenloch.

So gibt es auch unter den Menschen solche, deren Blick nur geistige Nacht verträgt, nur im Einerlei der geistigen Finsternis zur Ruhe kommt und mit verkrampftem Auge jedem göttlichen Lichtstrahl begegnet. Der Eine frohlockt wenn er etwas Göttliches wahrnimmt, sei es in der Natur, oder im Menschen oder in den Räumen der übersinnlichen Schau. Der Andere fühlt sich dadurch geblendet und beunruhigt, und möchte überhaupt nichts mehr davon wissen ...

Wer von den Menschen sich in die finstere Geistlosigkeit der eigenen Seele endgültig eingelebt hat, der wird geistscheu und lichtfeindlich: er kann das Leuchten des Geistes nicht empfangen, er flieht, er höhnt, er lästert, er wird gehäßig, vielleicht sogar mordbereit. Darum weiß die Geschichte so viel über die Ermordung der guten, der besten, der geistesleuchtenden Menschen zu berichten. Und wenn jemand als Sehender auftritt und über das von ihm Gesehene berichtet, oder sich auch schweigend einfach als Lichtkundiger benimmt, soo achter er nur, daß seine Persönlichkeit nicht zum Stein des Anstoßes für alle Nachtaffen und Nachteulen werden ... Und darum muß sich jeder, der missionieren geht, zum Martyrium vorbereiten.

Menschen, bei denen das geistige Auge ungeweckt bliebt, treten ins Leben mit wachem Instinkt und mit schlafendem Geist. Sie suchen sich dementsprechend einzurichten - im Äußeren, und darum auch im Inneren: denn bei ihnen folgt das innere Leben den Ansprüchen des äußeren Nutzens und paßt sich ihnen an. So wird ihnen ihre geistige Indifferenz zum Maß für alle Wertungen und Handlungen. Geistig ziehen sie ins Leben mit geschlossenem Auge und mit gelöschtem Licht und machen zuweilen den unheimlichen Eindruck eines "fliegenden Holländers", der aus der Nacht in die Nacht als verhexter Unheilträger an uns vorbei schwebt. Übrigens spüren solche Menschen ihren eigenen Nutzen ausgezeichnet; nur in der geistigen Dimension leben sie nicht. Im Irdischen sind sie gewandt; aber zuweilen hat man das Gefühl, daß sie nichts vom Himmlischen wissen. So gehen sie durch's Leben; so handeln sie; so beurteilen sie die Welt und die Menschen. Die geistige Stockfinsternis, die in ihnen herrscht, stört sie nicht; im Gegenteil: sie wird ihnen zur Quelle des seelischen Gleichgewichtes und der Ruhe. Unvermerkt werden sie zu vollendeten Finsterlingen.

Der Finsterling genießt seine Finsternis und haßt das Licht. Er liebt seine Nacht umso mehr, als er eben Mühe hatte, diese Dunkelkammer in seinem Innersten herzustellen und sich in ihr zu behaupten. Denn nur in seltenen Fällen der vollstänigen geistigen Blindheit oder Idiotie kann es dem Menschen leicht fallen, sich endgültig in einer radikalen Gottesleugnung zu verankern und sich zu einem totalen Finsterling zu gestalten. In den meisten Fällen läßt sich der Gott-gegebene und Natur-vererbte "Geist des Instinktes" nicht ohne weiteres ignorieren. Ungeweckt bei der Erziehung, vernachläßigt im selbständigen Leben, schlummert er in der gottlosen Seele unter dem verlassenen Kellergewölbe und kann jederzeit aus eigenem Antrieb erwachen, sein freies Schauen beginnen und sein lautloses Leuchten von sich geben. Das geschieht auch. Dann wird die beruhigende Finsternis von innen durchbrochen, das seelische Gleichgewicht schwindet, alles gerät ins Wanken, wie bei einem Erdbeben, und der Menscch kommt in einen geistigen "Bürgerkrieg" mit sich selbst.

Der arme Mann schien sich herrliche ohne Gott und Geist - herrlich und zum Allesdürfen entfesselt. Er stellte sich seine mitternächtliche Souveränität vor und meinte, er hätte allen möglichen Hähnen den Hals abgedreht; und plötzlich kräht der Hahn in seinem eigenen Innern. Er hatte sich endgültig eingeredet, es gäbe kein Licht und keine Sonne; und siehe da, sein eigenes geistiges Auge, von dem er nichts wußte, durchstrahlt aus der Tiefe die düsteren Räume seines Herzens. Zuweilen genügt ein Augenblick dieses Strahlens, um das Falsche der bisherigen Einstellung zu beleuchten. Klein kommt sich dann der "Große" vor, armselig, feige, und, was am unerträglichsten ist, lächerlich. Er sieht seine ersehnte und gelobte Finsternis schwinden: denn sie kam nicht aus der Welt, sie war nicht Naturgesetz - sie war bloß sein eigenes Erzeugnis, die gewollte Luft seiner Blindheit. Er hatte sie erdichtet, weil er sie für seine geistwidrige Entfesselung brauchte. Und plötzlich sieht er das alles ein: er schaut seine objektive Nichtigkeit und kann sie nicht akzeptieren. Er sucht nach Ausweg und findet ihn nicht.



Der innere Konflikt ist schwer und schmerzlich, und zwar umso mehr, als er von stolzen Naturen einsam und wortlos ausgetragen wird.

 

Der stolze Mann fühlt sich bloßgestellt und verurteilt, und dies von einer Instanz, deren Nichtsein und deren Unwert er sich sein Leben lang eingeredet hatte; und - das Schmerzlichste - im letzten Grunde weiß er, daß diese Verurteilung zurecht besteht. Er weiß es, will es nicht zugeben und sucht sich selber das Gegenteil davon zu beweisen; und kann es nicht. Er will zurück in die beruhigende und entfesselnde Finsternis; aber die gibt es nicht mehr: ein Licht strahlt aus der Tiefe, ringt mit der Dunkelheit und verwandelt sie in eine wogende Dämmerung. Er will sich, nach wie vor, als Finsterling behaupten, aber die Dämmerung hindert ihn daran und das eigene Licht überführt ihn. Er versucht seine Vergangenheit zu rechtfertigen und seine Selbst-Apologie zusammenzustellen; und scheitert auch daran. Er möchte das Licht auslöschen, oder es wenigstens eindämmen, verdächtigen, sich ausreden - und das gelingt ihm nicht. Das kränkt ihn bis ins Tiefste. Aus dieser Kränkung entsteht ein Haß, der sich zu entladen sucht; am wem? Aus dieser Erniedrigung erwächst ein nagender Neid - gegen alles, was Licht ist, gegen alle, die das Licht tragen, ausstrahlen oder genießen. Neid und Haß erzeugen den Durst nach Rache; und die Rache ruft zum Mord.

Die Tragödie des Finsterlings, der in den Strahlen des Lichtes steht, ist bitter und tief. Er kann weder das Licht annehmen, noch in seine frühere Finsternis zurückkehren. Es beibt ihm nichts anderes, als sich gegen das Licht aufzulehnen: sich im Glanz seines Unrechtes zu zeigen und sich als den mächtigen Lichtfeind zu erweisen. Er betritt also den Weg des gestürzten Engels. Kann er das Licht nicht empfangen, so will er jetzt der "Finster-Mächtige" werden; denn die Nacht hat auch ihre Macht und ihre Größe. Jetzt gilt es, sich zu behaupten und alles herauszufordern - Gott und die Welt, und das Licht, jede wahre Qualität und alle Menschen. Jetzt gilt es die Finsternis zu erheben und das Laster zu rechtfertigen; und nocht mehr: das Licht bloßzustellen und womöglich eingehen zu lassen, damit es nicht mehr leuchte und damit keiner es trage und genieße. Das dämonische Element rührt sich in ihm und gönnt ihm keine Ruhe: er muß zum Widersacher Gottes werden.

Er sieht sich zwischen drei Lichtquellen und alle drei sind ihm unerträglich: das herrliche Licht Gottes, die innere Flamme seines eigenen Gewissens und das irdische Leuchten des Propheten.

Aber das Licht Gottes ist durch nichts zu erreichen: gütig und mächtig durchstrahlt und überstrahlt es alles Seiende, aus einer geheimnisvollen Ferne, die zugleich in aller nächster Nähe wirkt und leuchtet. Da kann er sich nur abwenden und in den Dienst der finsteren Macht stellen.


Dann beginnt er ein hoffnungsloses Ringen mit dem eigenen Gewissen, mit dem Geist seines eigenen Instinktes. Er sucht diese innere Lichtmacht durch sophistische Klügeleien zu überwinden, durch immer neue, finstere Taten zu erschöpfen, durch inneren Rausch und äußeren Lärm zu übertönen; und beruhigt sich nur insofern und nur so lange, bis es ihm gelingt. Aber endgültig wird es ihm nicht gelingen. Dann kommt er in Verzweiflung, zumal er zwischen allen drei Mächten, die in Wirklichkeit Eines sind, eine inhaltliche "Verwandtschaft" und eine ständige "Zusammenarbeit" spürt ...

Also bleibt ihm nur, seine Verzweiflung an dem Propheten in seiner irdischen Gestalt, auszutoben. Dann kommt es so weit, daß die Finsterlinge sich verschwören und gemeinsam ihr Werk zu vollbringen suchen: hier stürzen sie durch Ränke und Verleumdungen den leuchtenden Rivalen, dort versuchen sie alle Heiligtümer in Trümmer zu legen, am dritten Ort - einen genialen Menschen hinzurichten, überall das Licht auszublasen und womöglich die ganze Welt mit Lüge zu überfluten und in Dämmerung einzuhüllen. Und die besten Menschen fallen ihnen zum Opfer.

Das gelingt ihnen um so leichter, da es ja so viele Durchschnittsmenschen gibt, die an und für sich zu den Finsterlingen gar nicht gehören, bloß mit ihren Minderwertigkeits-Gefühlen nicht fertig werden und daher dem Neid verfallen. Niemand will sich klein, dumm, häßlich oder sonst irgendwie zurückgestellt sehen; und jeder hat Augenblicke im Leben, wo er seine Grenzen und seine Unzulänglichkeit einsehen und ehrlich zugeben muß. Dann kommt über ihn die Gefahr des Neides und er hat etwa denselben inneren Kampf, wie der große Finsterling, nur im kleinen Maßstabe auszutragen. Und wenn der Neid nicht überwunden wird, so verkriecht er sich in die Dämmerung des Unbewußten und verwandelt sich in ein unruhiges Spähen nach fremder Größe, Gabe und Tugend; - in eine Scheelsucht, mit der ewigen Bereitschaft, sich an dem Heruntermachen des Excellenten zu beteiligen. "Schönheit strahlt heilige Triebe in die Seelen", sagte einmal Wieland. Und Schiller vollendete diese Beobachtung: "Es liebt die Welt das Strahlende zu schwärzen." .... Da schließen sich viele kleine Neidlinge zusammen, finden den größeren und bösen Neidhart, unterstellen sich ihm, und verrichten ihr böses Werk. Einzeln oder in Scharen überfällt man die besten Menschen, um sie doch einmal los zu werden und ungehindert die Luft der alltäglichen Dämmerung oder der vollendeten Finsternis atmen zu können.


Schon die prähistorische Welt wußte darüber mit Entsetzen und Schmerz zu berichten. Der unfromme Kain soll aus Neid und Haß seinen Bruder, den frommen Abel erschlagen haben; und die Erde öffnete zum ersten Mal ihren Schlund, um ein unschuldiges Blut zu empfangen. - Der leidenschaftlich-rohe und widerspenstig-böse Dämon Set soll sich seines göttlichen Bruders, des Königs Osiris, listig und verräterisch bemächtigt und ihn in vierzehn Teile zerstückelt haben; und die leuchtende Gestalt des Osiris wurde von den Ägyptern als Sonnengottheit und als Auferstehungs-Omen gefeiert, Set aber wurde in die unterirdische Finsternis versetzt. Dies die zwei berühmtesten Visionen, der vorgeschichtlichen Zeit, um die biblischen Propheten nicht zu benennen.

Dann kommen die geschichtlichen Vergehen der Neider an den Lichtträgern. Diogenes Laertius berichtet uns, wie der große epheser Philosoph Heraklites die Verbannung seines Freundes Hermodoros erlebte: "Die Epheser", sagte er, "verdienen, daß alle ihre Erwachsenen insgesamt sterben und die Stadt den Unvolljährigen überlassen, dafür, daß sie ihren besten Menschen Hermodoros verbannten, indem sie sagten - es sei unter uns keiner der Beste, gibt es aber einen solchen, so möge er anderswo und mit anderen leben - ...".

Diesen Wunsch, den Besten los zu werden, schildert auch Plutarch in der Lebensbeschreibung des Aristides: "Als damals über Aristides abgestimmt wurde, reichte, wie man es erzählt, ein dummer Bauer, der nicht einmal die Buchstaben kannte, dem Aristides, den er für einen gemeinen Mann ansah, seine Scherbe hin und bat ihn, den Namen Aristides darau zu schreiben. Dieser fragte ihn mit Verwunderung, ob ihm denn Aristides etwas zuleide getan habe. "Gar nichts", antwortete er, "ich kenne den Mann nicht einmal, aber es ärgert mich, daß ich ihn überall den Gerechten nennen höre". So schrieb nun Aristides, ohne ein Wort zu erwidern, seinen Namen auf die Scherbe und gab sie ihm zurück". Und da es auch in Athen viel zu viel solcher Neider und Finsterlinge gab, so wurde Aristides für seine Gerechtigkeit verbannt.

Daß einer der größten Weltweisen, Sokrates, vom Athener Volk in ähnlicher Weise zum Tode verurteilt wurde, ist bekannt. Dabei wußte er, daß er nicht bloß von seinen Anhängern allein bekämpft wird, und daß er nicht als einziger dieses Schicksal zu tragen hat: "Wird man mich überwältigen", sagte er, "so werden es nicht Melites und Anites sein, sondern die Verleumdung und die Feindschaft der Masse. Sie haben schon noch viele andere, ausgezeichnete Männer überwältigt; es scheint mir, daß sie auch im weiteren überwältigen werden: man darf sich nicht wundern, daß es an mir nicht Halt machen wird ...". Sokrates kannte wohl das Gesetz der geistigen Finsternis, daß sie sich nämlich ausbreiten will und nicht zur Ruhe kommt, bevor sie alle Leuchten umstößt. Er wußte aber auch, daß der gute Mensch, der Lichtträger, weder im Leben, noch auch nach dem Tode Böses zu gewärtigen hat: denn das Leuchtende auf Erden wandelt im Licht und geht nach dem Tode in die Gefilde des Lichtes.



Sollten wir, dürften wir, Christen, bei diesen Erwägungen unseres Heilandes gedenken? Daß nämlich die irdische Stockfinsternis sich gegen das verkörperte Licht Gottes erhob und ihm das irdische Leben unter Qualen nahm? Dürften wir alsdann der christlichen Märtyrer, die bis auf heute leuchten und heute noch in die Gefilde des Lichts entschwinden, vergessen? ...

Der Finsterling kann sich mit dem Sein Gottes nicht abfinden. Er kann sein Licht nicht empfangen; er kann an seiner Güte und Liebe keine Freude haben. Er erhebt sich, um das Licht auszulöschen, weil er im Lichte sein eigenes Sein nicht behaupten und nicht fortsetzen kann. Er vergibt dem Licht keinen einzigen Lichtstrahl und solange er Versöhnung und Dank nicht gelernt hat, wird er seine Nichtigkeit an der Fülle und Güte Gottes rächen wollen. Möge das Licht in beliebiger irdischer Form erscheinen, möge es aus der persönlichen Güte, oder aus der politischen Gerechtigkeit, oder aus der religiösen Propheten-Evidenz, oder aus dem genialen Kunstwerk leuchten, - er haßt und neidet, er lästert und flieht vor dem Licht. Denn das, was er dem Lichtträger zufügt, möge es Verleumdung, Verbannung oder Hinrichtung sein, - ist nichts anderes als Auswirkung seiner eigenen Ohnmacht, als Flucht vor dem Licht, dessen Sieg von Anfang an auf göttlichen Wegen gewährleistet ist.

Haiduk am 27.8.07 23:56


Die Haiduken - von Konstantin Petkanow

Was vorher geschah:

Ein reicher Türke veranstaltet bei der Hochzeit seines Sohnes einen Ringkampf. Der Gewinner soll als Siegerprämie ein prächtiges Paar Ochsen erhalten. Den Ringkamp gewinnt ein bulgarischer Bauer Filtscho, obwohl ein berühmter türkischer Boxkämpfer beteiligt war. Der Gastgebertürke namens Tschilli sagt den Bulgaren: "Die Büffel gehören dir. Aber merke dir gut, ich hatte nicht daran gedacht, sie einem Giaur zu überlassen. Auf meinem Fest bist du der Sieger, nimm die Büffel und geh fort. Ihre Ketten glühen, und wenn sie dich verseengen, dann denke daran, dass du selbst vor den Rachen des Wolfes gelaufen bist. Hüte dich von heute an!" Ab diesen Tag Tauchen immer wieder türkische Reiter im bulgarischen Dorf auf, die nach dem Ringkampfsieger und nach den Ochsen Ausschau halten. Dann, eines Tages wird er im Wald, beim Holzholen (regulär bezahlt) gestellt genötigt. Im Gemengel erschießt er einen Türken, mit der Waffe des türkischen Forsthüters, die er diesem abgenommen hatte. Die Türken führen die Ochsen wieder ab, der Bulgare (Filtscho) entkommt durch die Wald mit dem Gewehr des Forsthüters und geht nach Hause. Hier beginnt der Ausschnitt:

Filtshco blieb den ganzen Tag zu Hause. Ein paar Verwandte suchten ihn, aber er meldete sich nicht. Die Leute, die mit ihm im Holz gewesen waren, berichteten, dass er in den Wald gegangen war und sie ihn danach aus den Augen verloren hätten. Nur Rufe hätten sie vernommen und einige Gewehrschüsse. Das genügte, um das Dorf in Aufregung zu versetzen. Jeder wollte über Filtschos Schicksal etwas erfahren. Die Männer überließen das Vie den Frauen und versammelten sich in Todorakis Laden.

Er war voller Bauern; jeder fragte und forschte, man sorgte sich um Filtscho und seine Büffel. Was hatten die Schüsse zu bedeuten?... Jemand erzählte, er habe auf dem Rückweg aus der Mühle von Assabegli Türken getroffen, die Büffel fortführten, und er habe Filtschos Tiere erkannt.

"Dann ist mit Filtscho etwas geschehen. Entweder haben sie ihn umgebracht, oder er hat einen Türken zur Strecke gebracht."

Der Gedanke, die Türken könnten Filtscho umgebracht haben, erschreckte die Männer, man merkte ihnen die wachsende Unruhe an: "Wenn er nicht zurückkommt, sieht es böse aus."

"Die Türken fangen wieder an, uns nach dem Leben zu trachten."

"Sobald jemand sich ein bißchen hervorwagt, ist er ihnen gleich verdächtig."

Mirtscho stand an der Tür und hörte zu. Er ärgerte sich über die ängstlichen Topolaner und mischte sich in das Gespräch ein: "Filtscho ist wohlauf und munter, ihm ist nichts zugestoßen."

"Hast du ihn getroffen?"

"Mirtscho, erzähle doch, was mit Filtscho los ist - wenn du etwas weißt."

"Sperrt eure Ohren auf: Filtscho ist ein Held, keine memme wie ihr. Fünf Türken haben ihn überfallen, um ihm die Büffel auszuspannen, aber er hat einen Stock genommen und sie anständig verprügelt."

"Alle fünf?"

"Glaubst du, Filtscho könnte nicht mit fünf Türken fertig werden?!

Mirtscho schwindelte und stellte alles so dar, wie er wünschte, dass es sich abgespielt hätte. Von Türken überfallen, würde er sich nicht ergeben, sondern bis zum Ende kämpfen - entweder sie oder er. Sterius Tod stand ihm vor Augen!

Djado Kambur, der aufmerksam zugehört hatte, schüttelte den Kopf: "Wenn es so steht, Kinder, dann kommen die Türken ins Dorf, um ihn zu suchen. Sie haben die Macht, sie können alles tun."

Mirtscho setzte sich auf die Bank, lehnte den Rücken an die Wand und sagte gelassen: "So wie sie gekommen sind, werden sie auch wieder gehen."

"Aber wenn sie nicht gehen?"

"Ich jage sie fort!"

Zweifelnd blickte man ihn an. Man wußte, dass er jähzornig, rasch und tapfer war, doch der Gedanke, die Türken aus dem Dorf zu verjagen, grenzte an Wahnsinn. Ein verständiger Mensch redete nicht so - es roch nach Angabe.

"Du prahlst ganz schön."

Mirtscho erhob sich, stellte sich in die Mitte des Raumes und sah die Männer an: "Wer hat das eben gesagt?"

"Selbstverständlich ist das Prahlerei - Türken verjagt man nicht so leicht."

"Du bist ein altes Weib, ein Angsthase!"

Mit Mirtscho war nicht zu spaßen; niemand wußte, auf wen er sich stürzen würde. Am besten war es, sich ruhig zu verhalten. Die Leute traten zurück, denn Mirtscho begann zu toben, er drohte den Türken. Aber wie kühn auch seine Drohungen gegen Filtschos Feinde waren - die Männer waren nicht zu beruhigen. Besorgt verließen sie mit müden Schritten den Laden.

Zehn von ihnen versammelten sich am Zaun des nächsten Gehöftes und flüsterten miteinander. Doch da tauchten am oberein Ende des Weges zwei Gendarmen zu Pferde auf. Sobald sie diese bemerkten, senkten sie die Köpfe, steckten die Hände in die Taschen und gingen auseinander. Die unerwarteten Gäste hielten vor der Ladentür und stiegen aus dem Sattel. Todoraki rief den Gemeindeboten herbei und veranlaßte ihn, die pferde der Türken auf und ab zu führen. Dei Gendarmen ergriffen ihe Gewehre, betraten mürrisch und ohne zu grüßen den Laden und verlangten Stühle. Man brachte sie ihnen sogleich. Der Größere der beiden wandte sich an die bei Todoraki zurückgebliebenen Bauern: "Ist der Ringkämpfer Filtscho hier?"

"Er ist nicht im Dorf", erwiderte Mirtscho schnell.

"Hole ihn!"

"Ich bin weder euer Bote noch euer Knecht."

"Geh und hole ihn, Giaur!"

Mirtscho erblaßte, erhob sich jedoch nicht. Er drehte den Türken herausfordernd den Rücken zu und baumelte geringschätzig mit den Beinen. Der Gendarm stand auf, nahm seine Peitsche und ging damit auf ihn los. Da tauchte an der Tür plötzlich Dimiter Pendew auf und rief dem Türken zu: "Rühre ihn nicht an, Efendi, er ist nicht bei Verstand, er ist verrückt."

"Du bist verrückt!" entgegnete Mirtscho ärgerlich seinem Bruder.

"Nimm deinen Verstand zusammen, Bruder! Reize sie nicht, sie sind heimtückisch."

Der Gendarm wandte sich an die anderen Männer: "Ruft Filtscho her!"

Einer nach dem anderen verließ den Laden und entfernte sich. Nur wenige blieben zurück. Die Türken wurden ungeduldig, sie drohten ärgerlich: "Wenn ihr ihn versteckt, nehmen wir euch mit!"

"Das wird nicht geschehen", warf Mirtscho ein.

Man rief den Boten herbei und schickte ihn nach Filtscho aus. Er ging bis zu dessen Haus, kam wieder zurück und berichtete, Filtscho sei nicht zu Hause.

"Wo ist er dann?"

"Ich weiß es nicht, er ist nicht im Dorf."

Die Gendarmen gingen auf den Platz hinaus und tobten. Vor Wut schlug der eine mit dem Griff seiner Peitsche auf die hölzerne Bank ein.

"Er ist ein Mörder! Liefert ihn aus, sonst wird das ganze Dorf darunter zu leiden haben."

"Geht und fangt ihn selbst!" entgegenete ihm Mirtscho.

Von fern, hinter den Flechtzäunen verstekct, schauten die Bauern zu. Sie wagten nicht, sich sehen zu lassen. Die Nachricht, dass Filtscho einen Türken umgebracht hatte, verbreitete sich mit Windeseile im Ort, sie drang in die Häuser und versetzte alle in Aufregung. Die Frauen gingen aus, um ihre Männer zu suchen. Niemand kam an den Brunnen, niemand dachte daran, sein Vieh zu tränken. Alle waren zutiefst erschrocken und erwarteten mit furchtsamem Herzen Schlimmes.

Die Gendarmen standen bei ihren Pferden und stießen im Zoern maßlose Drohungen aus. Da näherte sich Stojan, der Sohn Empers. Er kehrte vom Schafehüten zurück. Der Lärm zog ihn an - er kam heran und lauschte. Auf die Drohungen der Türken antwortete nur Mirtscho. Und wenn Dimiter sich nicht eingemengt hätte, würde der Streit ein schlechtes Ende genommen haben. Schließlich glaubten die Türken tatsächlich, dass Mirtscho geistig nicht normal sei; sie ließen von ihm ab, hielten sich jedoch jetzt an Dimiter: "Zeige uns Filtschos Haus!"

Mirtscho packte seinen Bruder am Arm und drohte: "Wenn du sie hinführst, zerbreche ich dir die Knochen!"

Dimiter schob ihn beiseite und wandte sich mit fester STimme an die Gendarmen: "Die Gemeinde hat einen Boten, der kann euch den Weg zeigen, ich habe zu tun."

Durch eine Kopfbewegung forderte er Mirtscho auf heimzugehen. Niemand blieb bei den Türken zurück. Als sie Stojan bemerkten, riefen sie ihn heran und fragten ihn: "Weißt du, wo Filtschos Haus ist?"

"Am Ende des Dorfes."

"Los, bring uns hin!"

 Türkische Gendarmen

Den Hiertenstab hinter sich her schleifend, ging Stojan vor den Gendarmen her. mirtscho, der sich häufig umdrehte, und natürlich wußte, wohin er sie führte, konnte sich nicht beherrschen und drohte: "Ich werde deinen Kopf wie eine Schlange zertreten, hörst du, Emper?"

Stojan schritt schneller aus. Er freute sich, Pendews eins auszuwischen. Sie sollten wissen und nicht vergessen, dass er stets ihr Gegner sein würde, und wenn das ganze Dorf verbrannte.

Vor Filtschos Hof hielten sie an. Die Türken stiegen jedoch nicht aus dem Sattel. Der Hofhund stürzte ans Tor und bellte aus Leibeskräften. Kalina trat auf den Hof, verschwand aber sofort wieder im Hause. Stojan öffnete das Tor.

"Hier ist Filtscho zu Hause."

Er ging fort. Aus den benachbarten Gehöften eilten alte Frauen und Kinder herbei, während die Männer nur über die Zäune spähten. Der große Gendarm stieg vom Pferd und schlug den Hund mit der Peitsche. Der lief winselnd zurück und blieb laut bellend vor der Haustür stehen. Filtscho verlor die Geduld; es ärgerte ihn, dass man seinen Hund geprügelt hatte, er versteckte das Gewehr und schickte sich an, auf den Hof hinauszugehen. Seine Frau hielt ihn weinend am Ärmel zurück und bat ihn, es nicht mit den Türken anzulegen. Sollten die Büffel und das Gewehr doch zum Teufel gehen! Er aber stieß sie beiseite und trat mit geballten Fäusten hinaus.

"Warum schlägst du meinen Hund? Was habt ihr in meinem Hof zu suchen?"

Die Türken richteten schnell die Gewehre auf ihn, umzingelten ihn und belauerten jede seiner Bewegungen.

"Los, komm mit!"

"Mit Türken habe ich nichts zu schaffen. Wo sind meine Büffel?"

Die Waffe auf Filtschos Rücken gerichtet, trieben ihn die Gendarmen vorwärts. Er ging langsam, packte mit einer Hand das Tor und schleuderte es auf, als wäre es federleicht. Kalina faßte ihre beiden Kinder an der hand und zog schluchzend hinter den Türken her. Auf der STraße blieb Filtscho stehen und schimpfte seine Frau aus: "Warum heulst du? Geh nach Haus und kümmere dich um deine Kinder, um mich sorge dich nicht. Gott ist gut, er wird mir helfen, diesen Wölfen zu entkommen. Mein Vergehen ist nicht sehr groß - ich habe einem verdammten Heiden den Hals umgedreht."

Der Zug erreichte die Landstraße nach Losengrad. Die Gendarmen nahmen Filtscho zwischen sich und begannen, ihn zu beschimpfen und mit dem Gewehrkolben zu schlagen. Bei einem starken Stoß kam er ins Wanken und griff unwillkürlich nach den Zügeln eines Pferdes. Der Reiter schlug ihm mit seiner Peitsche über die Hand. Es schmerzte ihn, als hätte man ihn mit glühendem Eisen verletzt. Vor Wut biß er die Zähne aufeinaner, stöhnte auf und blieb stehen: "Weslhalb schlägst du mich?"

"Du sollst nicht stehenbleiben, du Hund!"

Die Peitschenschnur sauste über Filtschos Kopf und schlang sich wie eine Natter um seine Schultern. Vor Schmerz fuhr er zusammen und hastete mit geballten Fäusten weiter...

Die Abenddämmerung legte über die Felder und verhüllte die Wege. Dei Landstraße war menschenleer. Bei Mitschows Brücke ragten die alten Pappeln wie Wächter empor und schienen Tag und Nacht auf Wanderer zu warten. Rauschend erzählten sie von dem Leben, das in ihrem Schatten verlöscht war. Filscho hörte sie. Er vernahm auch das Flüstern des Strandschagebirges, er sah die unzähligen Schluchten vor sich, und blitzschnell fuhr ihm ein Gedanke durch den Kopf...

Die Brücke über den Fluß ist hoch und hat kein Seitengeländer. Er würde schon vorher etwas an der Seite gehen und sich krank und müde stellen...

Filtscho zog ein Bein nach und fing an zu hinken. Er beklagte sich laut, dass seine Opanken zerrissen wären und ihn die Fußsohlen schmerzten, weil er auf der Straße jeden Stein fühlte. Unter diesem Vorwand wich er auf den Sandstreifen aus. Sie näherten sich der Brücke. Er spannte seinen Körper, ballte die Hände, hörte auf zu hinken, und in der Mitte der Brücke wandte er sich dem neben ihm reitenden Gendarmen zu und steiß ihn und sein Pferd mit aller Kraft in den Fluß. Ehe der zweite Gendarm begriff, was geschah, packte er dessen Gewehr am Kolben, holte ihn vom Pferd herunter, schlug ihm mit der Faust ins Gesicht und warf ihn ebenfalls von der Brücke hinab. Dann fing er das Pferd ein, schwang sich darauf, galoppierte über die Felder und verschwand in den Weinbergen von Losengrad.

Hinter ihm stimmten die Pappeln ein Heldenlied an.

Aus Filtscho wird nun ein Haiduk. Auch andere gesellen sich ihm zu.

Das Buch ist bereits für 2,50 Euro zu haben

Die Haiduken - Vorhergehender Artikel

Wer noch andere Bilder mit den Haiduken auftreiben kann, wir nehmen sie.

Kybeline am 23.8.07 13:48


Giaur



Was dem Araber der Kaf'r, das ist dem Türken der Giaur: 'ein ungläubiger Hund'. Der Duden gibt die Bedeutung des Wortes mit Ungläubiger, Nichtgläubiger an. Vielleicht sollte man die Bilder und Bildnisse ansehen, die das Wort in der osteuropäische Kulturgeschichte einnimmt, um sich ein bessere Vorstellung zu machen:

 

George Gordon Byron: The Giaour

 

***

Ilustration aus Karl May: "So stirb, Giaur!"

***

Turkmenistan - Giaurkala

Das Wort Giaur  (türkisch gavur) kommt ursprünglich aus dem persischen gabr und bedeutete dort "Feueranbeter"

***

Ein Ausschitt aus Der Liebe des Ulanen - Karl May:

 

    »Allah il Allah! Du bist ein Ungläubiger, ein Giaur!« rief da der Scheik.

     

    »Ich? Ein Giaur?« entgegnete Richemonte mit erhobener Stimme. »Zügele Deine Zunge, Scheik Menalek. Wäre ich nicht Dein Gast, so würde ich Dir die Klinge meines Messers zwischen die Rippen stoßen.«

    »Und dennoch bist Du ein Giaur.«

    »Beweise es!«

    »Du schwörst bei Allah und dem Propheten und redest doch die Unwahrheit. Das thut nur ein Giaur, der nicht an Allah glaubt und den Propheten schändet.«

    »Dein Vorwurf trifft mich nicht. Wie kannst Du sagen, daß ich die Unwahrheit spreche? Sage mir eine einzige Lüge, welche Du von mir gehört hast!«

    ***

 Gyaur

Im Lande des Mahdi - Karl May:

    Da sprang der Gebieter der Michbaja auf, trat hart zu ihm heran und zischte ihm zu:
     
    »So sei dir ein letztes, ein allerletztes Wort gesagt. Ich gebe dir Zeit bis zur nächsten Morgenröte; da wird sich dieser von Allah Verfluchte in meinen Fäusten winden. Bekennst du dich dann zu uns, so sollst du ein hoher und berühmter Führer von vieltausend Gläubigen sein; fährst du aber fort, zu reden wie in diesem Augenblick, so wird dir das große Glück werden, das Schicksal dieses deines vergötterten Giaur zu teilen.«
     
    »Um da meine Entscheidung zu hören, brauchst du nicht bis zur Morgenröte zu warten; ich verzichte auf den Ruhm, den ihr mir bietet, und wähle den Giaur!«

 

 

 

***

...als Hundename, im Formel 1, als Operfigur (oder auch Opersänger)...

...Napoleon, oder eine Rock-Gruppe...

***

Aus Bruno Heises Memoiren:

 

     Einige Tage später trafen wir den anderen Hotelgast, unseren Einbahnstraßennachfolger wieder. Er erzählte uns, dass er um ein Haar verprügelt worden wäre.

    Er sah auf einem Felde eine Schar mit Pluderhosen bekleideter Frauen unter Aufsicht eines Mannes arbeien. Er verließ seinen Wagen, um das malerische, gleichzeitig den Wert des Mannes verdeutlichendes Bild photographisch festzuhalten. Als der Aufseher das bemerkte, ergriff er einen Knüppel und lief wutentbrannt auf den Giaur zu, um ihn für dessen schändliches Tun zu bestrafen.

    Gott sei Dank, der Giaur erreichte noch rechtzeitig sein Auto und konnte flüchten.

    Ich war froh, dass ich nicht selbst die Erfahrung zu machen brauchte, dass in Anatolien trotz eines Kemal Atatürk Zucht und Ordnung bewährter islamitischer Art herrscht und das Verbot menschlicher Abbildungen nicht nur in Moscheen gilt, sondern im Falle weiblicher Personen auch opportunistisch auf den Alltag ausgedehnt werden kann. Die individuelle Gesetzesinterpretation ist eben auch ein Stück von Freiheit.

 

*** 

Schimpfwort gavur:

 

     

    Im Koran, dem islamischen Glaubensbuch, werden alle, die nicht an Allah, an den Propheten Mohammed, an andere Propheten, an Engel, an die Glaubensbücher z.B. den Koran oder die Bibel u.a., an Unfälle oder an das Schicksal glauben, als "Kafir" bezeichnet. Solche Menschen können auch nicht mehr nach dem Tode auferstehen, denn für Moslems gibt es ein Leben nach dem Tod.

 

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Es fällt auf, dass wärend der Westen das Wort mit romantisiert, im türkischen die negative Konotation beibehalten wird.

Noch ein Beispiel, der zeigt, wie lebendig das Wortgebrauch heute in der türkischen Sprache ist:

Das Wort taucht öfters in Bilder mit Erdogan auf:

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Buchautor Mehmet Farac schrieb einen historischen Roman Son Gavur:

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Und hier jemand, der seine Lektion bereits gelernt hat:

 

    Lest den Koran und dann wißt ihr warum. Es heißt zum Beispiel: Habt keinen Ungläubigen (Giaur) zum Freund. Die Christen und die Juden sind die Feinde des Islams. Deshalb wird solange der Islam besteht kein Dialog bestehen

 

Hier der Koran zum selber nachschlagen: Sure 5, Vers 51 - egal in welcher Übersetzung. Es ist nur dank Ausblendung der Realität möglich zu glauben, dass die Moslems mit uns in Frieden und Freundschaft leben wollen. Du und ich, wir sind für die Moslems nur die Ungläubigen, egal ob gavur oder kafr (im Grunde dasselbe Wort gabr - ungläubig) - wir sind für sie die schmutzigen Hunde, die nie in ihrem islamischen Himmel Einlaß erhalten werden. Unser ist die Hölle, so wie  die Phantasie eines Moslems sich die Hölle am schlimmsten ausmalen kann... Auch heute, wie vor 100 Jahren. Auch in Berlin, so wie in Ankara.

 

So sehen die Moslems und Giaurs.

 

Kybeline am 8.3.07 11:00


Eine katholische

Es handelt sich um die berühmteste Seenswürdigkeit von Pecs (Fünfkirchen) in Südungarn.

Eine Moschee mitten in der Stadt. Ein Fremder könnte in unserem christlichen Land verwirrt sein.

In der Nacht leuchtet sie in der Mitte des Széchényi-Platzes, als wäre sie das Herz von Pécs. Wir sind stolz auf sie, aber war das schon immer so? Beim Blick des Halbmondes hat unser ungarisches Herz vor Jahrhunderten nicht so stark geschlagen, als heute bei einem romantischen Spaziergang unter der Moschee. Während 150 Jahren türkischer Besetzung wurde unser Land zerstört und viele Jahrhunderte lang wollten wir nicht mehr von den Türken hören.
Heute denken wir kaum noch an sie, wenn wir während des Einkaufsbummels die Innenstadt durchziehen. Um sie in unsere Kultur einzuschmelzen, stellen wir ein Kreuz auf den Halbmond und denken, sie ist unser. Sie wurde zum Symbol unserer Stadt.

Beata Kemler: Moschee

Nicht nur diese Autorin macht aus dieser Kirche unversehens eine Moschee. Allen voran die Moslem Besucher sehen in dieser Kirche ausschließlich eine Moschee. Die Tatsache, dass sie auf die Stelle einer früheren Kirche des St. Bartholomäus errichtet wurde, interessiert niemand. Unbeachtet bleibt auch die Tatsache, dass die Ungarn selber darin eine Kirche sehen. Früh wollten die Ungarn ihre Toleranz zeigen, denn nach der Befreiung beließen sie das Gebäude, anstatt sie abzureißen.

 

 

 

Sie stellten neben dem Halbmond ein Kreuz auf die Kuppel, neben den Koransprüchen auf die Wände Marienbilder und neben dem Mihrab einen Altar mit Jesus am Kreuz. Diese Toleranz könnte sich bald rächen, denn der Islam drängt wieder nach Ungarn. Die Moslems weltweit bedauern, dass in Ungarn heute lediglich etwa 60.000 Moslems leben. Ungarn gehört nach der islamischen Vorstellung zum Dar ul Islam. (Man beachte den Namen aller islamischen Organisationen in Budapest)

Ich selber habe die Kiche - denn die Ungarn selber nennen sie nichtsahnend immer noch eine Kirche und beten darin zu der Heiligen Jungfrau - vor Jahren einmal auf einer Durchreise besucht. Es ist eine sehr schöne, beeindruckende Kirche in einer schönen, freundlichen Stadt. Hoffentlich fällt Fünfkirchen nicht bald ihrer Toleranz zum Opfer...

Kirche in Fünfkirchen

 

Kybeline am 10.2.07 13:06


Dicker Nebel fiel über Kosovo...



"Gusta mi magla padnala", "Dicker Nebel fiel" ist ein traditionelles serbisches Hochzeitslied aus Kosovo/Metohija. Hier spielt die Kultgruppe Belo Platno (Weißes Tuch).

Obwohl man das Lied immer zu feierlichen Anlässen wie eine Hochzeit u. ä. spielt, fängt es mit sehr traurigen Worten an: "Dicker Nebel fiel. Man sieht nichts mehr." Viele Lieder der Serben aus dem Kosovo fangen mit diesen zwei Zeilen an, eine Metapher für das Leid der Serben aus dem Kosovo unter der türkischen Besatzung seit dem 14. Jahrhundert. Das undurchdringliche Nebel steht für die Härte des Lebens, durch die man die Freiheit nicht mal mehr erahnen kann. In den nächsten Zeilen ein schwaches Licht durchscheint durch das Dunkel der Sklaverei und ein großer Baum wächst. Darunter steht ein Schender, der einen Hochzeitsmantel näht. Auf diesen Mantel "glänzen wie die Sonne auf dem Himmel" die Ornamente. Diese letzen Zeile zeugen vom Zuversicht, Hofnung und Freude sogar in der Sklaverei.

 

Kybeline am 10.2.07 12:44


Des Kaisers Rede zu den Griechen am Vorabend der Schlacht um Konstantinopel



Konstantin XI.

Ich sehe, meine Brüder, ihr Archonten und Hauptleute und ihr übrigen Männer, wie wir auf den Tag des Kampfes warten. Euch, die ihr alle tapfer streitet gegen die Feinde der Christenheit, ist das Vaterland, das teure, nun anvertraut, da der haßerfüllte Türke, der Sultan Mehmed, seit nunmehr zweihundertfünfzig Tagen uns angreift bei Tag und Nacht, und vor allem, da unsere Mauern in Breschen liegen und die Türken Steine und eine Unmenge von Pfeilen gegen euch schleudern und ihr wiederum die Feinde mit Gottes Hilfe abwehrt und  8von den Mauern] hinunterstürzt. So setze ich denn meine Hoffnung in Gott und in eure tapferen Hände mit euren Waffen, dass diese wilden und unmenschlichen Türken, die da in Unmenge mit großem Geschrei angerannt kommen und Pfeile ohne Zahl schießen werden, euch nichts anhaben können, denn ihr habt eherne Rüstungen und gute Schilde. Lasset also, meine Brüder, vor den Feinden den Mut nicht sinken, da es not tut, dass ihr kühn und tapfer seid! Diese Feinde sind Tiere, und ein einziger Mensch vermag viele Tiere zu verscheuchen: Jagt sie denn fort wie das Vieh! Hat doch auch dieser Sultan gehandelt wie das Tier, das er ist: Wir hatten einen beschworenen Frieden, aber er hat den Eid gebrochen und den Frieden  gebrochen und hat einen ungerechten Krieg angefangen. Wie ein Tier ist er von Adrianopel dahergestürmt, hat unsere Dörfer überfallen und unsere Bauern nhingemetzelt, die zur Sommerszeit außer der Stadt wohnen, und hat viele in die Knechtschaft weggeschleppt. Und jetzt belagert er unsere Stadt, die Konstantinos der Große erbaut hat und die des Vaterlandes Schutz und Schirm war, der Christen Hort und der Griechen Macht. Jetzt will er unser Reich vernichten und dazu die Kirche Christi unter den Füßen zertreten und sie zum Stall machen für seine Pferde. O meine Brüder, ihr Archonten und Hauptleute, o ihr Heldensöhne Christi: Streinget euch an und kämpfet, auf dass ihr das Himmelreiches teilhaftig werdet! Und ihr, o tapfere genuesische Brüder, die ihr schon so viele Feinde bezwungen habt: Allezeit seid ihr den Kaisern dieser Stadt, eurer Mutter beigestanden in vielen Kämpfen gegen die Türken und habt über sie gesiegt! O ihr venezianischen Brüder, zeiget eure Tapferkeit mit dem Schwerte, mit dem ihr schon so oft das Blut der Türken vergossen habt, wie etwa Loredano, der venezianische Gentiluomo, der der Generalkapitän eurer Armada war und mit den Galeeren der Feinde gekämpft und sie vernichtet hat: Gürtet euch denn auch ihr, die ihr hier bei uns seid, mit euren Schwertern zu diesem ehrenvollen Kampfe, auf daßß ihr geehrt werdet von Gott und den Menschen! Und ihr, ihr übrigen Männer, die ihr in den Kampf geht: Gehorchet euren Hauptleuten und Vorgesetzten und seid wohl eingedenk, dass dies der Tag ist, an dem ihr Ehre erringen möget, denn wenn ihr einen Tropfen eures Blutes vergießt, so werdet ihr dafür die Krone des Märtyrertums gewinnen, die unvergänglich ist!"

Aus der Chronikon Anonymous Zoras

Am nächsten Tag, den schwarzen Dienstag 29. Mai 1453 starb der Kaiser tapfer im Kampf.

Kybeline am 17.12.06 19:07


Die Eroberung Konstantinopels



Im Februar 1451 war Sultan Murad II. in der Blüte seiner Jahre plötzlich an einem Schlaganfall gestorben, den er während des Essens erlitten hatte. Sein Sohn Mehmed II. war bei der Thronbesteigung gerade 19 Jahre alt. Zunächst hatten die Byzantiner erleichtert aufgeatmet. Murad II. war ein großer Kriegsherr gewesen, dem das türkische Heer seine Schlagkraft zu verdanken hatte. Der unerfahrene junge Mann, der ihm nachfolgte, würde wohl kaum eine unmittelbare Bedrohung darstellen. Einige Mitglieder des Kaiserhofes meinten sogar, dass Mehmeds verwitwete Stiefmutter eine ideale Kandidatin für Konstantins leeres Ehebett wäre.

Das Bild, das die westlichen Reiche von dem neuen Sultan hatten, schien sich zunächst zu bestätigen. In alle Himmelsrichtungen sandte Mehmed wohlwollende Botschaften aus, in denen er seinen Nachbarn ein friedliches Zusammenleben versprach, und mit Ungarn, Venedig und Serbien unterzeichnete er Verträge. Interessiert an allem, stürzte er sich auf wissenschaftliche Experimente, Astrologie und Militärstrategie; begierig verschlang er jedes Wort über die Erbauer der Reiche der Antike, Alexander den Großen und Julius Cäsar.

Konstantin selbst war von dem jungen Mann offensichtlich weniger begeistert als die meisten seiner Zeitgenossen. Er hielt Mehmed, sicher nicht zu Unrecht, für skrupellos. Es ging das Gerücht, zumindest unter byzantinischen Propagandisten, dass Mehmed seine Stiefmutter, als sie ihm zur Thronbesteigung gratulierte, herzlich begrüßt und in ein längeres Gespräch verwickelt hatte. Als sie ihn wieder verließ, um zu ihrem eigenen kleinen Sohn zurückzukehren, fand sie ihn ermordet in seinem Bad.

Knapp ein Jahr nach seinem Amtsantritt ließ Mehmed die Maske fallen und gab zu erkennen, was all sein Sinnen und Trachten beherrschte: die Eroberung des Byzantinischen Reiches. Angeblich schritt er nachts durch die Säle seines Palastes und grübelte über Angriffspläne nach. Er brütete über Karten und füllte seitenweise Papier mit Skizzen von den Befestigungsanlagen Konstantinopels und ihren Schwachstellen.

 Mehmeds erste aggressive Handlung war der Bau einer Burg am europäischen Ufer des Bosporus, nur wenige Kilometer nördlich von Konstantinopel. Der Ort, den er gewählt hatte, lag an der schmalsten Stelle der Meerenge, genau gegenüber einer anderen türkischen Burg, Anadolu Hisar, die der Urgroßvater des Sultans 1397 errichtet hatte. Mit diesen beiden Bauwerken würde er den Bosporus vollständig im Würgegriff haben.

Vor Beginn der Bauarbeiten zog Mehmed Architekten zu Rate, er warb Steinmetze an und rekrutierte ein Heer von Arbeitern. Seine Leute begannen, sämtliche Klöster und Kirchen in der Gegend abzureißen und die Steine zur Baustelle zu karren. Konstantin schickte eine Abordnung nach Adrianopel, die dem Sultan Geschenke Überbrachte und ihn bat, wenigstens einige christliche Dörfer in der Nähe vor dem Abbruch zu verschonen. Als Antwort ließ Mehmed die Boten töten.

Am 15. April 1452 wurde mit den eigentlichen Bauarbeiten begonnen. Den Byzantinern blieb nichts anderes Übrig, als hilflos zuzuschauen, wie das künftige Werkzeug ihrer eigenen Zerstörung aus dem Boden wuchs. Nicht einmal fünf Monate später, am 31. August, ragte die Zitadelle, die spätere Rumeli Hisar, stolz Über dem Bosporus auf. Die See Blockade von Konstantinopel begann.

Der Kaiser, der sich verzweifelt um die Hilfe der westlichen Reiche bemühte, wagte in der Stadt den Vorschlag zu machen, die beiden christlichen Kirchen endlich doch zu vereinen. Aber selbst angesichts der Bedrohung durch die Türken blieben die Bürger hart und lehnten die Einheit ab. Am Kaiserhof sprach ein höherer Beamter sicherlich für viele, als er erklärte: "Ich sähe in der Stadt lieber den moslemischen Turban als die römische Mitra."

Niemand zweifelte daran, dass die Belagerung der Stadt bevorstand, und Konstantinopel bereitete sich darauf vor. Jeder Mann und jede Frau, die kräftig genug waren, leisteten ihren Beitrag. Sie machten sich daran, die Verteidigungsanlagen der Stadt zu verstärken, Waffen zusammenzutragen, Vorräte anzulegen. Alte Feinde vergaben einander, Rivalen plagten sich Seite an Seite, politische Gegner legten ihre Meinungsverschiedenheiten bei und widmeten ihre Kräfte der gemeinsamen Sache. Auch die in Kolonien wohnenden Ausländer - Katalanen, Venezianer, Genuesen - beteiligten sich. Ein gewaltiger Schwimmbaum wurde mit Ketten quer Über der Mündung des Goldenen Horns befestigt, um feindliche Schiffe aus dem Bosporus an der Einfahrt zu hindern.

Im Westen, zur Landseite hin, schützten gewaltige Mauern die Stadt. Dreireihige Befestigungsanlagen bildeten eine scheinbar unüberwindliche sechseinhalb Kilometer lange Barrikade, die sich vom Marmara-Meer bis zur Nordspitze des Goldenen Horns erstreckte. Die erste Verteidigungslinie war ein etwa 20 Meter breiter und IO Meter tiefer Graben. Dahinter lag ein Wall mit Brustwehr, auf den eine etwa 10 Meter hohe äußere Mauer folgte, die durch 96 Türme verstärkt war. Hinter dieser Befestigung lag das letzte Bollwerk, eine 12 Meter hohe Mauer mit weiteren 96 Verteidigungstürmen, die 20 Meter hoch in den Himmel ragten.

Von der Landseite her schien Konstantinopel unbezwingbar. Ein Jahrtausend lang hatten die Mauern allen Angreifern getrotzt, mochten ihre Belagerungstürme, Steinschleudern und sonstigen Maschinen noch so mächtig gewesen sein. Aber jetzt verfugten die Osmanen über eine neue furchtbare Waffe - eine Kanone, die so stark war, dass sie Steinmauern durchschlagen konnte. Der Kaiser war sich ihrer Wirkung schmerzlich bewusst, denn der Erfinder des Gerätes, ein Ungar namens Urban, hatte zunächst ihm angeboten, diese Riesenkanone zu bauen. Aber Konstantin war, vielleicht aus Geldmangel, nicht auf den geforderten Preis eingegangen. Wie alle Waffenhändler der Geschichte hatte Urban nur mit den Achseln gezuckt und seine Ware dem Gegner angeboten.

Mehmed war von Urbans Waffe begeistert und bot ihm das Vierfache des verlangten Preises. Nachdem die Kanone oben auf dem Schutzwall der Festung Rumeli Hisar aufgestellt worden war, bestellte der Sultan sofort noch eine, die doppelt so groß war. Dieses Geschütz war gut acht Meter lang und hatte 20 Zentimeter dicke Bronzewände. Seine weite Öffnung mit einem Durchmesser von 75 Zentimetern spuckte Kanonenkugeln aus, von denen eine 600 Kilogramm wog. Bei einer Demonstration in Adrianopel sah Mehmed erfreut, wie eines dieser Geschosse fast zwei Kilometer durch die Luft flog und sich nahezu zwei Meter tief in die Erde grub. Es war das größte Geschütz, das die Welt je gesehen hatte.

Der Sultan befahl, den Weg für den Transport der Kanone von seiner Hauptstadt zu der Konstantins vorzubereiten. Ein 200 Mann starkes Arbeiterheer machte sich eiligst daran, Straßen auszubessern und Brücken zu verstärken. Anfang März 1453 schwangen die Fuhrleute ihre Peitschen, und 60 Ochsen legten sich ins Geschirr, um die riesige Kanone durch Thrakien zu ziehel1. 200 Mann sorgten dafür, dass das Metallungeheuer nicht stecken blieb oder umkippte. Langsam aber unaufhaltsam bewegten sie sich auf ihr Ziel zu. Drei Wochen später folgte Mehmed mit 70000 bis 100000 Mann. Am 5. April, einem Donnerstag, erreichte er Konstantinopel. Am nächsten Tag, dem islamischen Ruhetag, feuerte seine Kanone den ersten Schuss. Die letzte Schlacht hatte begonnen.

Die folgenden Wochen brachten eine der größten Entscheidungen der Geschichte. Zur Verteidigung der Stadtmauern Konstantinopels standen dem Kaiser weniger als 7000 Mann zur Verteidigung. Anfangs gab er die Hoffnung noch nicht auf, dass ihm christliche Heere aus dem Westen zu Hilfe eilen würden. Am 20. April kam es zu einem Seegefecht zwischen vier genuesischen Schiffen und der zahlen mäßig Überlegenen türkischen Flotte. Als diese Überraschend zurückgedrängt wurde, frohlockte die Stadt. Zwei Tage später jedoch bot sich den Bewohnern bei Tagesanbruch ein Anblick, den niemand für möglich gehalten hatte: Türkische Kriegsschiffe lagen im oberen Abschnitt des Goldenen Horns.

Mehmed hatte einen kühnen Plan ersonnen, um den byzantinischen Schwimmbaum zu Überwinden und seine Schiffe in die Bucht zu bringel1. Über die Landenge zwischen dem Bosporus und dem Goldenen Horn hatte er eine Straße angelegt und rund 70 Schiffe auf Holzgestelle mit Rädern gestellt. Dann ließ er Tausende von Männern und Ochsen antreten, die nun die Flotte Über die 60 Meter hohe Hügelkette zogen. In der Morgendämmerung des 22. April holperten und ratterten die Schiffe die Hänge gegenüber der Stadt hinab, und eins nach dem anderen glitten sie in die Fluten des Goldenen Horns. Die Beschießung begann.

In der nunmehr umzingelten Stadt trotzten die Einwohner den ohrenbetäubenden Explosionen und helllodernden Bränden, um Seite an Seite - Nonnen und Edelleute, Küchenmädchen und Priester, Straßenjungen und Hofbeamte - jede entstehende Bresche in den Mauern auszubessern. Sie kämpften von Ende April bis zur dritten Maiwoche; sie kämpften um ihren Glauben, ihre Welt und ihre Kultur. Sie besiegten Hunger, Erschöpfung und Krankheiten und wussten, dass sie nichts tun konnten, um sich zu retten. Himmel und Erde schienen voll böser Omen zu sein. Als sich der Mond am 22. Mai total verfinsterte, sahen die Bewohner von Konstantinopel ihre schlimmsten Befürchtungen bestätigt. Auf Drängen des Kaisers hin versammelte sich die 13evölkerung, um eine Ikone der Jungfrau Maria durch die Straßen der Stadt zu tragen und sie um Fürsprache und Rettung zu bitten. Plötzlich ertönten Schreckensschreie, und die Prozession kam zum Stillstand. Das heilige 13ildnis war den Trägern vom Gerüst geglitten und zu Boden gefallen. Die Umstehenden eilten herbei, um es aufzuheben, fanden es aber unerklärlich schwer, gerade so, als bestünde es aus massivem Eisen. Es dauerte einige Zeit, bis die Träger alles im Griff hattel1. Dann setzte der Zug sich wieder in Bewegung. Auf einmal explodierte der Himmel: Donner, Blitz, Regengüsse und Hagelkörner gingen urplötzlich auf die Stadt nieder und trieben die Gläubigen auseinander, die sich eine trockene Ecke zum Unterstellen suchten. Am nächsten Morgen herrschte ein undurchdringlicher, für die Jahreszeit vollkommen ungewöhnlicher Nebel, der den Maitag zu einem trüben Novembertag machte. Am Ende des Tages bot sich den 13yzantinern noch einmal ein erschreckendes 13ild: Die große Kuppel der Hagia Sophia glühte rot, als sei sie in ein Blutmeer getaucht, um dann im Dunkel zu versinken.

Konstantin ignorierte das inständige Bitten seiner Hofbeamten, die ihn drängten, die Stadt zu verlassen. Noch war eine Flucht möglich. Wenn es ihm gelänge, einen sicheren Ort zu erreichen, vielleicht auf dem Peloponnes, würde er das eroberte Reich möglicherweise eines Tages den Türken wieder entreißen können. Aber der Kaiser, der sich keinen Illusionen hingab, weigerte sich zu gehen. Das Schicksal seiner Hauptstadt und seines Reiches war auch sein Schicksal. Seine Freunde und Beamten blieben bei ihm. Als Boten Mehmeds mit Kapitulationsbedingungen kamen, die sowohl die Stadt als auch ihre Bewohner verschonen würden, schüttelte Konstantin den Kopf und schickte die Boten fort.

In den frühen Morgenstunden des 28. Mai 1453 lag eine böse Vorahnung in der Luft. Vor den Mauern Konstantinopels sammelte das türkische Heer seine Kräfte für den entscheidenden Angriff. Jeder auf beiden Seiten wusste, dass er irgendwann in der Dunkelheit, noch vor Tagesanbruch, erfolgen würde. In der Stadt wurden Waffen an die Bevölkerung verteilt. Priester mit hoch erhobenen Ikonen schritten die Mauern ab. Eine lange Prozession zog durch die Straßen und sang dabei: "Herr, erbarme Dich unser." Ein letztes Mal wandte sich der Kaiser an sein Volk. "Der Feind", so sagte er, "verfügt Über Geschütze, Berittene und Fußsoldaten, so weit das Auge reicht. Wir aber vertrauen auf den Namen des Herrn, unseres Gottes und Erlösers, und zweitens auf unsere Hände und die Kraft, die uns die Macht Gottes verliehen hat."

Auf dem Weg zum Palast bei den Blachernen, wo die Landmauern an das Goldene Horn reichten, dankte der Kaiser seinen Bediensteten für all ihre Mühe und Arbeit. Keiner tat so, als ob die Unterbrechung der Staatsgeschäfte nur vorübergehend sei. Konstantin bat sie um Vergebung für alles, was er ihnen gegenüber falsch gemacht hatte, für jede Unannehmlichkeit, die sie in den Wirren dieser schrecklichen Zeit erdulden mussten. Dann sagte er jedem Lebewohl und ging hinaus zu den Stadtmauern, um gemeinsam mit seinem Volk den Türken entgegenzutreten.

Ein oder zwei Stunden nach Mitternacht, am 29. Mai, rückten die türkischen Truppen zu ihrem letzten Sturm auf die Stadt vor. Kurz nach Tagesanbruch gehörte sie ihnen. Wer von den Bewohnern noch die nötige Kraft besaß, floh in die Hagia Sophia, Römisch-katholische und Orthodoxe gleichermaßen. Sie glaubten, dass sie an einem so heiligen Ort vor dem Feuer und den Schwertern des Feindes sicher seien. Einige von ihnen waren überzeugt, dass in dieser letzten Stunde der Not ein Engel vom Himmel kommen und ihnen gegen den Feind beistehen werde. Aber ihre Hoffnungen waren vergeblich. Der einzige Besucher war ein türkischer Soldat, der mit einem Siegesschrei das Eingangstor aufbrach. Hinter ihm folgten seine Kameraden. Blut begann zu fließen.

Einige hatten das Glück, diesen Tag zu Überleben. Sie behaupteten, dass in dem Augenblick, da die Türen aufgebrochen wurden, ein Wunder geschehen sei. Zwei Priester, die mutig die Messe zelebrierten, als die ersten Schreie erklangen, ergriffen die kostbarsten Gegenstände auf dem Altar und eilten zur Südwand der Kirche, in der sie auf wunderbare Weise verschwanden. Noch Jahrhunderte später behaupteten Gläubige, dass die Priester an dem Tage, da Konstantinopel wieder eine christliche Stadt werde, zurückkehren und den Gottesdienst genau an der Stelle fortsetzen würden, wo sie ihn abgebrochen hatten.

Am Abend dieses längsten aller Tage kam ein weiterer Besucher in die Hagia Sophia. Sultan Mehmed II. hatte seinen Soldaten Zeit gelassen, sich den üblichen Lohn zu holen - was bedeutete, dass sie in der eroberten Stadt nach Belieben morden, vergewaltigen und plündern durften. Innerhalb weniger Stunden waren die Reichtümer der Stadt weggekarrt, die Überreste aufgeteilt und mit den Besiegten nach dem Willen ihrer Peiniger verfahren worden. Chronisten machten unterschiedliche Angaben über die Zahl der Toten oder Gefangenen, doch ist es wahrscheinlich, dass 4000 Byzantiner ums Leben kamen und 50000 gefangen genommen wurden. In der Stadt herrschte Grabesruhe.

Der 21 Jahre alte Mehmed, der draußen vor der geplünderten Kirche kniete, nahm eine Handvoll Staub vom Boden und streute ihn über seinen Turban. Mochte er auch ein altes Kaiserreich erobert, ein Jahrtausend christlicher Herrschaft im Osten beendet und dem Lauf der Geschichte seinen Stempel aufgedrückt haben, so kannte er doch seinen Platz. Er war nichts weiter als ein sterbliches Geschöpf, gering wie Staub. Dann betrat er die Kirche und verkündete, dass sie von nun an Gott als Moschee dienen werde.

Kybeline am 24.11.06 21:28


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