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Die Eroberung Konstantinopels



Im Februar 1451 war Sultan Murad II. in der Blüte seiner Jahre plötzlich an einem Schlaganfall gestorben, den er während des Essens erlitten hatte. Sein Sohn Mehmed II. war bei der Thronbesteigung gerade 19 Jahre alt. Zunächst hatten die Byzantiner erleichtert aufgeatmet. Murad II. war ein großer Kriegsherr gewesen, dem das türkische Heer seine Schlagkraft zu verdanken hatte. Der unerfahrene junge Mann, der ihm nachfolgte, würde wohl kaum eine unmittelbare Bedrohung darstellen. Einige Mitglieder des Kaiserhofes meinten sogar, dass Mehmeds verwitwete Stiefmutter eine ideale Kandidatin für Konstantins leeres Ehebett wäre.

Das Bild, das die westlichen Reiche von dem neuen Sultan hatten, schien sich zunächst zu bestätigen. In alle Himmelsrichtungen sandte Mehmed wohlwollende Botschaften aus, in denen er seinen Nachbarn ein friedliches Zusammenleben versprach, und mit Ungarn, Venedig und Serbien unterzeichnete er Verträge. Interessiert an allem, stürzte er sich auf wissenschaftliche Experimente, Astrologie und Militärstrategie; begierig verschlang er jedes Wort über die Erbauer der Reiche der Antike, Alexander den Großen und Julius Cäsar.

Konstantin selbst war von dem jungen Mann offensichtlich weniger begeistert als die meisten seiner Zeitgenossen. Er hielt Mehmed, sicher nicht zu Unrecht, für skrupellos. Es ging das Gerücht, zumindest unter byzantinischen Propagandisten, dass Mehmed seine Stiefmutter, als sie ihm zur Thronbesteigung gratulierte, herzlich begrüßt und in ein längeres Gespräch verwickelt hatte. Als sie ihn wieder verließ, um zu ihrem eigenen kleinen Sohn zurückzukehren, fand sie ihn ermordet in seinem Bad.

Knapp ein Jahr nach seinem Amtsantritt ließ Mehmed die Maske fallen und gab zu erkennen, was all sein Sinnen und Trachten beherrschte: die Eroberung des Byzantinischen Reiches. Angeblich schritt er nachts durch die Säle seines Palastes und grübelte über Angriffspläne nach. Er brütete über Karten und füllte seitenweise Papier mit Skizzen von den Befestigungsanlagen Konstantinopels und ihren Schwachstellen.

 Mehmeds erste aggressive Handlung war der Bau einer Burg am europäischen Ufer des Bosporus, nur wenige Kilometer nördlich von Konstantinopel. Der Ort, den er gewählt hatte, lag an der schmalsten Stelle der Meerenge, genau gegenüber einer anderen türkischen Burg, Anadolu Hisar, die der Urgroßvater des Sultans 1397 errichtet hatte. Mit diesen beiden Bauwerken würde er den Bosporus vollständig im Würgegriff haben.

Vor Beginn der Bauarbeiten zog Mehmed Architekten zu Rate, er warb Steinmetze an und rekrutierte ein Heer von Arbeitern. Seine Leute begannen, sämtliche Klöster und Kirchen in der Gegend abzureißen und die Steine zur Baustelle zu karren. Konstantin schickte eine Abordnung nach Adrianopel, die dem Sultan Geschenke Überbrachte und ihn bat, wenigstens einige christliche Dörfer in der Nähe vor dem Abbruch zu verschonen. Als Antwort ließ Mehmed die Boten töten.

Am 15. April 1452 wurde mit den eigentlichen Bauarbeiten begonnen. Den Byzantinern blieb nichts anderes Übrig, als hilflos zuzuschauen, wie das künftige Werkzeug ihrer eigenen Zerstörung aus dem Boden wuchs. Nicht einmal fünf Monate später, am 31. August, ragte die Zitadelle, die spätere Rumeli Hisar, stolz Über dem Bosporus auf. Die See Blockade von Konstantinopel begann.

Der Kaiser, der sich verzweifelt um die Hilfe der westlichen Reiche bemühte, wagte in der Stadt den Vorschlag zu machen, die beiden christlichen Kirchen endlich doch zu vereinen. Aber selbst angesichts der Bedrohung durch die Türken blieben die Bürger hart und lehnten die Einheit ab. Am Kaiserhof sprach ein höherer Beamter sicherlich für viele, als er erklärte: "Ich sähe in der Stadt lieber den moslemischen Turban als die römische Mitra."

Niemand zweifelte daran, dass die Belagerung der Stadt bevorstand, und Konstantinopel bereitete sich darauf vor. Jeder Mann und jede Frau, die kräftig genug waren, leisteten ihren Beitrag. Sie machten sich daran, die Verteidigungsanlagen der Stadt zu verstärken, Waffen zusammenzutragen, Vorräte anzulegen. Alte Feinde vergaben einander, Rivalen plagten sich Seite an Seite, politische Gegner legten ihre Meinungsverschiedenheiten bei und widmeten ihre Kräfte der gemeinsamen Sache. Auch die in Kolonien wohnenden Ausländer - Katalanen, Venezianer, Genuesen - beteiligten sich. Ein gewaltiger Schwimmbaum wurde mit Ketten quer Über der Mündung des Goldenen Horns befestigt, um feindliche Schiffe aus dem Bosporus an der Einfahrt zu hindern.

Im Westen, zur Landseite hin, schützten gewaltige Mauern die Stadt. Dreireihige Befestigungsanlagen bildeten eine scheinbar unüberwindliche sechseinhalb Kilometer lange Barrikade, die sich vom Marmara-Meer bis zur Nordspitze des Goldenen Horns erstreckte. Die erste Verteidigungslinie war ein etwa 20 Meter breiter und IO Meter tiefer Graben. Dahinter lag ein Wall mit Brustwehr, auf den eine etwa 10 Meter hohe äußere Mauer folgte, die durch 96 Türme verstärkt war. Hinter dieser Befestigung lag das letzte Bollwerk, eine 12 Meter hohe Mauer mit weiteren 96 Verteidigungstürmen, die 20 Meter hoch in den Himmel ragten.

Von der Landseite her schien Konstantinopel unbezwingbar. Ein Jahrtausend lang hatten die Mauern allen Angreifern getrotzt, mochten ihre Belagerungstürme, Steinschleudern und sonstigen Maschinen noch so mächtig gewesen sein. Aber jetzt verfugten die Osmanen über eine neue furchtbare Waffe - eine Kanone, die so stark war, dass sie Steinmauern durchschlagen konnte. Der Kaiser war sich ihrer Wirkung schmerzlich bewusst, denn der Erfinder des Gerätes, ein Ungar namens Urban, hatte zunächst ihm angeboten, diese Riesenkanone zu bauen. Aber Konstantin war, vielleicht aus Geldmangel, nicht auf den geforderten Preis eingegangen. Wie alle Waffenhändler der Geschichte hatte Urban nur mit den Achseln gezuckt und seine Ware dem Gegner angeboten.

Mehmed war von Urbans Waffe begeistert und bot ihm das Vierfache des verlangten Preises. Nachdem die Kanone oben auf dem Schutzwall der Festung Rumeli Hisar aufgestellt worden war, bestellte der Sultan sofort noch eine, die doppelt so groß war. Dieses Geschütz war gut acht Meter lang und hatte 20 Zentimeter dicke Bronzewände. Seine weite Öffnung mit einem Durchmesser von 75 Zentimetern spuckte Kanonenkugeln aus, von denen eine 600 Kilogramm wog. Bei einer Demonstration in Adrianopel sah Mehmed erfreut, wie eines dieser Geschosse fast zwei Kilometer durch die Luft flog und sich nahezu zwei Meter tief in die Erde grub. Es war das größte Geschütz, das die Welt je gesehen hatte.

Der Sultan befahl, den Weg für den Transport der Kanone von seiner Hauptstadt zu der Konstantins vorzubereiten. Ein 200 Mann starkes Arbeiterheer machte sich eiligst daran, Straßen auszubessern und Brücken zu verstärken. Anfang März 1453 schwangen die Fuhrleute ihre Peitschen, und 60 Ochsen legten sich ins Geschirr, um die riesige Kanone durch Thrakien zu ziehel1. 200 Mann sorgten dafür, dass das Metallungeheuer nicht stecken blieb oder umkippte. Langsam aber unaufhaltsam bewegten sie sich auf ihr Ziel zu. Drei Wochen später folgte Mehmed mit 70000 bis 100000 Mann. Am 5. April, einem Donnerstag, erreichte er Konstantinopel. Am nächsten Tag, dem islamischen Ruhetag, feuerte seine Kanone den ersten Schuss. Die letzte Schlacht hatte begonnen.

Die folgenden Wochen brachten eine der größten Entscheidungen der Geschichte. Zur Verteidigung der Stadtmauern Konstantinopels standen dem Kaiser weniger als 7000 Mann zur Verteidigung. Anfangs gab er die Hoffnung noch nicht auf, dass ihm christliche Heere aus dem Westen zu Hilfe eilen würden. Am 20. April kam es zu einem Seegefecht zwischen vier genuesischen Schiffen und der zahlen mäßig Überlegenen türkischen Flotte. Als diese Überraschend zurückgedrängt wurde, frohlockte die Stadt. Zwei Tage später jedoch bot sich den Bewohnern bei Tagesanbruch ein Anblick, den niemand für möglich gehalten hatte: Türkische Kriegsschiffe lagen im oberen Abschnitt des Goldenen Horns.

Mehmed hatte einen kühnen Plan ersonnen, um den byzantinischen Schwimmbaum zu Überwinden und seine Schiffe in die Bucht zu bringel1. Über die Landenge zwischen dem Bosporus und dem Goldenen Horn hatte er eine Straße angelegt und rund 70 Schiffe auf Holzgestelle mit Rädern gestellt. Dann ließ er Tausende von Männern und Ochsen antreten, die nun die Flotte Über die 60 Meter hohe Hügelkette zogen. In der Morgendämmerung des 22. April holperten und ratterten die Schiffe die Hänge gegenüber der Stadt hinab, und eins nach dem anderen glitten sie in die Fluten des Goldenen Horns. Die Beschießung begann.

In der nunmehr umzingelten Stadt trotzten die Einwohner den ohrenbetäubenden Explosionen und helllodernden Bränden, um Seite an Seite - Nonnen und Edelleute, Küchenmädchen und Priester, Straßenjungen und Hofbeamte - jede entstehende Bresche in den Mauern auszubessern. Sie kämpften von Ende April bis zur dritten Maiwoche; sie kämpften um ihren Glauben, ihre Welt und ihre Kultur. Sie besiegten Hunger, Erschöpfung und Krankheiten und wussten, dass sie nichts tun konnten, um sich zu retten. Himmel und Erde schienen voll böser Omen zu sein. Als sich der Mond am 22. Mai total verfinsterte, sahen die Bewohner von Konstantinopel ihre schlimmsten Befürchtungen bestätigt. Auf Drängen des Kaisers hin versammelte sich die 13evölkerung, um eine Ikone der Jungfrau Maria durch die Straßen der Stadt zu tragen und sie um Fürsprache und Rettung zu bitten. Plötzlich ertönten Schreckensschreie, und die Prozession kam zum Stillstand. Das heilige 13ildnis war den Trägern vom Gerüst geglitten und zu Boden gefallen. Die Umstehenden eilten herbei, um es aufzuheben, fanden es aber unerklärlich schwer, gerade so, als bestünde es aus massivem Eisen. Es dauerte einige Zeit, bis die Träger alles im Griff hattel1. Dann setzte der Zug sich wieder in Bewegung. Auf einmal explodierte der Himmel: Donner, Blitz, Regengüsse und Hagelkörner gingen urplötzlich auf die Stadt nieder und trieben die Gläubigen auseinander, die sich eine trockene Ecke zum Unterstellen suchten. Am nächsten Morgen herrschte ein undurchdringlicher, für die Jahreszeit vollkommen ungewöhnlicher Nebel, der den Maitag zu einem trüben Novembertag machte. Am Ende des Tages bot sich den 13yzantinern noch einmal ein erschreckendes 13ild: Die große Kuppel der Hagia Sophia glühte rot, als sei sie in ein Blutmeer getaucht, um dann im Dunkel zu versinken.

Konstantin ignorierte das inständige Bitten seiner Hofbeamten, die ihn drängten, die Stadt zu verlassen. Noch war eine Flucht möglich. Wenn es ihm gelänge, einen sicheren Ort zu erreichen, vielleicht auf dem Peloponnes, würde er das eroberte Reich möglicherweise eines Tages den Türken wieder entreißen können. Aber der Kaiser, der sich keinen Illusionen hingab, weigerte sich zu gehen. Das Schicksal seiner Hauptstadt und seines Reiches war auch sein Schicksal. Seine Freunde und Beamten blieben bei ihm. Als Boten Mehmeds mit Kapitulationsbedingungen kamen, die sowohl die Stadt als auch ihre Bewohner verschonen würden, schüttelte Konstantin den Kopf und schickte die Boten fort.

In den frühen Morgenstunden des 28. Mai 1453 lag eine böse Vorahnung in der Luft. Vor den Mauern Konstantinopels sammelte das türkische Heer seine Kräfte für den entscheidenden Angriff. Jeder auf beiden Seiten wusste, dass er irgendwann in der Dunkelheit, noch vor Tagesanbruch, erfolgen würde. In der Stadt wurden Waffen an die Bevölkerung verteilt. Priester mit hoch erhobenen Ikonen schritten die Mauern ab. Eine lange Prozession zog durch die Straßen und sang dabei: "Herr, erbarme Dich unser." Ein letztes Mal wandte sich der Kaiser an sein Volk. "Der Feind", so sagte er, "verfügt Über Geschütze, Berittene und Fußsoldaten, so weit das Auge reicht. Wir aber vertrauen auf den Namen des Herrn, unseres Gottes und Erlösers, und zweitens auf unsere Hände und die Kraft, die uns die Macht Gottes verliehen hat."

Auf dem Weg zum Palast bei den Blachernen, wo die Landmauern an das Goldene Horn reichten, dankte der Kaiser seinen Bediensteten für all ihre Mühe und Arbeit. Keiner tat so, als ob die Unterbrechung der Staatsgeschäfte nur vorübergehend sei. Konstantin bat sie um Vergebung für alles, was er ihnen gegenüber falsch gemacht hatte, für jede Unannehmlichkeit, die sie in den Wirren dieser schrecklichen Zeit erdulden mussten. Dann sagte er jedem Lebewohl und ging hinaus zu den Stadtmauern, um gemeinsam mit seinem Volk den Türken entgegenzutreten.

Ein oder zwei Stunden nach Mitternacht, am 29. Mai, rückten die türkischen Truppen zu ihrem letzten Sturm auf die Stadt vor. Kurz nach Tagesanbruch gehörte sie ihnen. Wer von den Bewohnern noch die nötige Kraft besaß, floh in die Hagia Sophia, Römisch-katholische und Orthodoxe gleichermaßen. Sie glaubten, dass sie an einem so heiligen Ort vor dem Feuer und den Schwertern des Feindes sicher seien. Einige von ihnen waren überzeugt, dass in dieser letzten Stunde der Not ein Engel vom Himmel kommen und ihnen gegen den Feind beistehen werde. Aber ihre Hoffnungen waren vergeblich. Der einzige Besucher war ein türkischer Soldat, der mit einem Siegesschrei das Eingangstor aufbrach. Hinter ihm folgten seine Kameraden. Blut begann zu fließen.

Einige hatten das Glück, diesen Tag zu Überleben. Sie behaupteten, dass in dem Augenblick, da die Türen aufgebrochen wurden, ein Wunder geschehen sei. Zwei Priester, die mutig die Messe zelebrierten, als die ersten Schreie erklangen, ergriffen die kostbarsten Gegenstände auf dem Altar und eilten zur Südwand der Kirche, in der sie auf wunderbare Weise verschwanden. Noch Jahrhunderte später behaupteten Gläubige, dass die Priester an dem Tage, da Konstantinopel wieder eine christliche Stadt werde, zurückkehren und den Gottesdienst genau an der Stelle fortsetzen würden, wo sie ihn abgebrochen hatten.

Am Abend dieses längsten aller Tage kam ein weiterer Besucher in die Hagia Sophia. Sultan Mehmed II. hatte seinen Soldaten Zeit gelassen, sich den üblichen Lohn zu holen - was bedeutete, dass sie in der eroberten Stadt nach Belieben morden, vergewaltigen und plündern durften. Innerhalb weniger Stunden waren die Reichtümer der Stadt weggekarrt, die Überreste aufgeteilt und mit den Besiegten nach dem Willen ihrer Peiniger verfahren worden. Chronisten machten unterschiedliche Angaben über die Zahl der Toten oder Gefangenen, doch ist es wahrscheinlich, dass 4000 Byzantiner ums Leben kamen und 50000 gefangen genommen wurden. In der Stadt herrschte Grabesruhe.

Der 21 Jahre alte Mehmed, der draußen vor der geplünderten Kirche kniete, nahm eine Handvoll Staub vom Boden und streute ihn über seinen Turban. Mochte er auch ein altes Kaiserreich erobert, ein Jahrtausend christlicher Herrschaft im Osten beendet und dem Lauf der Geschichte seinen Stempel aufgedrückt haben, so kannte er doch seinen Platz. Er war nichts weiter als ein sterbliches Geschöpf, gering wie Staub. Dann betrat er die Kirche und verkündete, dass sie von nun an Gott als Moschee dienen werde.

24.11.06 21:28
 



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